Veröffentlicht am

«Es braucht nicht zwei Mittagstische im Klosterdorf»

«Es braucht nicht zwei  Mittagstische im Klosterdorf» «Es braucht nicht zwei  Mittagstische im Klosterdorf»
Falls die schulergänzenden Betreuungsangebote in Einsiedeln angenommen werden, könnte der Chinderhort an der Fuchsenstrasse wieder geschlossen

Falls die schulergänzenden Betreuungsangebote in Einsiedeln angenommen werden, könnte der Chinderhort an der Fuchsenstrasse wieder geschlossen werden. Francisca Eugster, Präsidentin des Vereins für Jugend- und Familienberatung, nimmt Stellung.

MAGNUS LEIBUNDGUT

Wie kommt bei Ihnen die Sachvorlage «Schulergänzende Betreuungsangebote » an? Das ist eine gute Sache: Es ist an der Zeit, dass im Klosterdorf das Angebot bezüglich Kinderbetreuung ausgebaut wird. Das geplante Angebot trägt den veränderten gesellschaftlichen Lebensmodellen Rechnung und soll den Bedürfnissen von ausgebildeten und erwerbstätigen Eltern entgegenkommen. Die Vorlage ist vollends auf Kurs und wird denn bestens von den Schulen Einsiedeln aufgegleist und vorangetrieben. Ich bin zuversichtlich, dass die schulergänzenden Betreuungsangebote auf ein wohlwollendes Echo bei der Bevölkerung stossen werden.

Die RPK kritisiert derweil eine «finanzielle Doppelspurigkeit»: Die Vorlage genüge weder der Sparsamkeit noch der Wirtschaftlichkeit.

Diesem Vorwand muss ich widersprechen: Es ist nicht geplant, dass der Bezirk zukünftig sowohl die schulergänzende Betreuung an der Nordstrasse im neuen Angebot der Schule wie auch den bestehenden Chinderhort des Vereins für Jugend- und Familienberatung an der Fuchsenstrasse finanzieren würde. Vielmehr besteht die Möglichkeit, dass der Verein sein Angebot für Schulkinder an der Fuchsenstrasse anpasst oder sogar aufgibt. Was mit dem Standort an der Fuchsenstrasse geschieht, falls die Einsiedler Stimmbürger zu den schulergänzenden Betreuungsangeboten Ja sagen, wird erst nach der Abstimmung entschieden. Fakt ist: Es braucht nicht zwei Mittagstische im Klosterdorf. Von einer Doppelspurigkeit kann jedenfalls keine Rede sein. Wie hoch sind die Kosten, welche der neue Standort an der Fuchsenstrasse aufwirft? Wir rechnen mit jährlichen Mehrkosten in der Höhe von 80’000 bis 100’000 Franken, die der neue Standort auslöst. Diese Kosten finanziert der Verein für Jugend- und Familienberatung fürs Erste mit seinem Vermögen. Ideal wäre, wenn diese Kosten dank eines neuen Leistungsauftrages abgegolten werden könnten. Mit dem bestehenden Leistungsauftrag unterstützt der Bezirk Einsiedeln das Chinderhus mit einem Betrag in der Höhe von 250’000 Franken. Allerdings war der bisherige Leistungsauftrag auf 29 zu betreuende Kinder im Vorschulalter und nur 7 Kinder im Schulalter ausgerichtet. Längst ist diese Zahl überholt: Das Chinderhus an der Mythenstrasse bietet maximal 40 Plätze an, davon sind 24 besetzt. Im Chinderhort hätte es Platz für 40 Kinder: Derzeit besuchen bereits 28 Kinder den Mittagstisch.

Wann wird ein neuer Leistungsauftrag mit dem Bezirk Einsiedeln ausgehandelt werden?

Ein neuer Auftrag wird wohl im Verlauf des kommenden Jahres geprüft werden. Sicherlich erst nach der Urnenabstimmung im März, an der über das weitere Schicksal der schulergänzenden Betreuungsangebote entschieden wird: Denn je nach Ausgang der Abstimmung verändern sich die Umstände für unser Projekt. Ich rechne damit, dass wir im Jahr 2022 Nägel mit Köpfen machen und dann mit einem neuen Leistungsauftrag durchstarten können.

Ist aus Ihrer Sicht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Einsiedeln gewährleistet?

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird dank der neuen Angebote zumindest im Klosterdorf weiter gefördert. Immerhin wird mit der Vorlage eine schulergänzende Betreuung zwischen 6.30 und 18.30 Uhr geschaffen. Was naturgemäss noch fehlt, sind Mittagstische in den Vierteln. Doch auch in diesem Bereich ist der Bezirk Einsiedeln aktiv: Nach dem Schuljahr 2023/24 soll eine Erweiterung des schulergänzenden Betreuungsangebots auf Standorte in den Vierteln evaluiert werden. Ich bin der Meinung, dass man der steigenden Nachfrage gerecht werden muss.

Im Chinderhort an der Fuchsenstrasse hat es Platz für 40 Kinder. Derzeit besuchen bereits 28 Kinder den Mittagstisch.

Fotos: Magnus Leibundgut

Als Standort für das neue schulergänzende Betreuungsangebot ist die bezirkseigene Wohnung an der Nordstrasse 17 vorgesehen: Sie soll für 140’000 Franken umgebaut werden.

Share
LATEST NEWS