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Wenn die Pisten plötzlich leer sind …

Wenn die Pisten plötzlich leer sind … Wenn die Pisten plötzlich leer sind …
In Zeiten der Pandemie werden begrenzte Billetts für Skifahrer und Liftbetreiber zur Herausforderung Verkehrte Welt. Letzten Winter gabs wenig

In Zeiten der Pandemie werden begrenzte Billetts für Skifahrer und Liftbetreiber zur Herausforderung

Verkehrte Welt. Letzten Winter gabs wenig Schnee, und viele Skilifte konnten bis zum Lockdown nur eingeschränkt öffnen. Nun hat es Massen an Schnee. Dafür gibt es ein anderes Problem.

WOLFGANG HOLZ

«Du, Papa, ich verstehe das nicht», sagt die 11-jährige Tochter zu ihrem Vater. Der hat ihr gerade mitgeteilt, dass es an diesem herrlichen Sonntagnachmittag keine Karten mehr am Skilift Brunni gibt.

Grund: der unglaubliche Andrang von Skifahrern an diesem sonnigen Tag einerseits. Andererseits die Kartenkontingentierung an Besuchern durch den Kanton wegen der Coronapandemie.

Nur noch zwei Drittel dürfen auf die Piste Sprich: Es dürfen nicht so viele Skifahrer auf der Piste sein wie sonst – wegen der Ansteckungsgefahr. Genauer gesagt sind nur noch zwei Drittel der Besucher der stärksten Auslastung an den fünf frequentiertesten Tagen in den letzten drei Jahren neuerdings rechnerisch zugelassen.

Doch das befriedigt die Tochter nicht wirklich. «Aber der Lift ist doch gar nicht mehr voll, und auf der Piste fahren nur noch wenige, warum kann man da nicht neue Skifahrer zulassen, Papa?» Doch am «Njet» des Liftbetreibers ist nicht zu rütteln. Das Kontingent sei voll. Die Kartenersteintritte würden eben elektronisch genau gezählt und kontrolliert. Man müsse sich an die Regeln halten. Man könne aber auch online im Voraus Karten für den Brunni-Skilift buchen.

«Pisten regelrecht gestürmt»

Auch andere Liftbesitzer in der Region sind mit dem Problem der Kartenkontingentierung konfrontiert. Doch nicht alle gleichermassen gravierend. Am Roggenlift in Oberiberg sind pro Tag rund 500 Skifahrer zugelassen.

«Unsere Kapazität hat bisher gut gereicht», verrät Walter Holdener. Es sei bislang noch nicht vorgekommen, dass man jemanden habe wegschicken müssen. Am «Zauberteppich» mit maximal 250 Kindern pro Tag sei die Lage schwieriger. «Der Schnee ist eigentlich super», so Holdener. Aber es sei eine Katastrophe, dass man das Restaurant nicht öffnen könne. «Dadurch können die Kinder zwischendurch nicht in die Wärme.» Ein Grund, warum viele Familien schon am Mittag oder frühen Nachmittag wieder nach Hause fahren.

AuchamSkiliftBrunni-Haggenegg war der Andrang der Skifahrer am Wochenende riesig. «Die Skifahrer haben morgens bis spätestens 9.30 Uhr regelrecht die Piste gestürmt», sagt Theres Schiesser, Kassachefin am Skilift Brunni-Haggenegg. Was das «Corona-Besucher-Maximum» des Lifts angeht, seien dort zurzeit rund 1120 Kartenersteintritte möglich. Will heissen: Rund 1120 Skifahrer können pro Tag maximal die Piste runterfahren. «Wobei – wenn die rund 300 Eintritte für die Morgenkarten mittags nicht mehr da sind, wird es ziemlich leer auf der Piste. Eigentlich schade.» Immerhin habe man am letzten paradiesischen Skiwochenende niemanden wegschicken müssen.

Das gleiche Bild am Sattelegg- Lift. Wie Sabrina Kessler erklärt, herrschten gute Schneeverhältnisse mit bis zu 40 Zentimetern Pulverschnee. «Bis jetzt mussten wir noch niemanden wegen der Corona-Begrenzungen wegschicken», gibt sie Auskunft. Skifahrer müssten andererseits halt mal damit rechnen, dass der Ansturm gross und das Kontingent voll sei – es handle sich ja nicht um eine Kapazitätsgrenze, die von den Liftbetreibern gemacht worden sei. Wobei es in der Sattelegg neben den Tageskarten klare Kontingente für Morgenkarten und für Nachmittagskarten gebe. «Insgesamt sind bei uns 150 Leute das Limit», so Kessler. Kleine Lifte ohne Pisten-Tabus

Zu solchen Kapazitätslimits kann Meinrad Kälin vom Skilift Euthal noch überhaupt nichts sagen. «Wir können den Skilift das erste Mal überhaupt erst am kommenden Wochenende laufen lassen – bisher hatte es für unsere Verhältnisse noch zu wenig Schnee.» Bei ihm wären wohl maximal 80 bis 100 Skifahrer zugelassen. Auch für Fritz Kälin, den Betreiber des Schnabelsberglifts in Bennau, der in diesem Winter schon stolze 21 Tage in Betrieb gewesen ist, sind Billett-Beschränkungen quasi ein Fremdwort. «Für uns ist das kein Problem. Ich kann die Skifahrer bei uns auf der Piste gar nicht zählen.» Die andere Lösung

Eine clevere und sehr praktikable Lösung in Sachen Skifahrerreglementierung wegen der Corona- Pandemie scheint man indes am Neusell-Lift in Rothenthurm gefunden zu haben. Dort wird nämlich nicht die Anzahl der Karten beziehungsweise Besucher für die maximale Zwei-Drittel-Kapazität herangezogen. «Wir haben vereinbart, dass eben nur noch zwei Drittel unseres Parkplatzes gefüllt sein darf», erklärt Paul Schnüriger vom Neusell-Lift.

Eine in der Tat sehr flexible Regelung, die es auch noch Spätaufstehern ermöglicht, Ski zu fahren. «Denn sobald Autos den Parkplatz verlassen, können Neuankömmlinge die Lücken wieder füllen», so Schnüriger. Und dabei werde nicht einmal unterschieden zwischen Saisonkartenbesitzern und Tageskartenfahrern. Angesichts von 300 Saisonkartenbesitzern am Skilift Neusell eine wahrlich grosszügige Lösung.

Friherrenberglift läuft nicht

Es gäbe übrigens im Prinzip noch Luft nach oben beziehunsgsweise Ausweichmöglichkeiten für Skifahrer in Zeiten von limitierten Liftkapazitäten aufgrund von Corona. Stichwort Friherrenberg in Einsiedeln. Die wenigen Bügel des Schlepplifts am flotten Skihang ruhen aber auch diesen Winter. «Da mir die Grundeinnahmen für den Betrieb des Skilifts weggenommen wurden wie etwa Parkplatz und Take-away, um Einnahmen zu generieren, ist es für mich finanziell nicht möglich, den Lift zu betreiben», lautet die Antwort von Liftbesitzer Christian Schönbächler.

Und wie sieht es beim grössten Skiliftbetreiber in der Region aus, bei der Hoch-Ybrig AG? «Wir dürfen maximal 4000 Tages- und Mehrtagesgäste sowie Saisonkartenbesitzer pro Tag begrüssen. Bis dato mussten wir noch keine Gäste abweisen», lässt Yvonne Ziegler-Keller von der Geschäftsleitung wissen.

«Bis jetzt mussten wir noch niemanden wegen der Corona-Begrenzungen wegschicken.»

Sabrina Kessler, Skilift Sattelegg

«Sobald Autos den Parkplatz verlassen, können Neuankömmlinge die Lücken wieder füllen.»

Paul Schnüriger, Skilift Neusell, Rothenhurm

Am Skilift Brunni war letztes Wochenende der Andrang an Skifahrern sehr hoch: Einige wurden abgewiesen, weil das Kontingent voll war.

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