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«Das Virus gibt den Takt vor»

«Das Virus gibt den Takt vor» «Das Virus gibt den Takt vor»
Frau Landammann Petra Steimen-Rickenbacher steht Red und Antwort zur Impfaktion im Spital Einsiedeln In einem Container vor dem Spital Einsiedeln

Frau Landammann Petra Steimen-Rickenbacher steht Red und Antwort zur Impfaktion im Spital Einsiedeln

In einem Container vor dem Spital Einsiedeln ist das Impfen gegen das Coronavirus angelaufen: Im 10-Minuten-Takt werden nun Senioren ab 75 Jahren geimpft. Nächste Woche wird die Kapazität verdoppelt: Das Impfzentrum wird dann auch vormittags und am Wochenende geöffnet sein.

MAGNUS LEIBUNDGUT

Wie viele Impfdosen hat das Spital Einsiedeln von Pfizer erhalten?

Bis jetzt stehen 720 Impfdosen im Klosterdorf zur Verfügung. Da jede Person zweimal geimpft wird, reicht dies für 360 Personen. Insgesamt bekommt das AMEOS Spital Einsiedeln bis Ende März voraussichtlich 13’475 Dosen. Das AMEOS Spital Einsiedeln bekommt den Impfstoff von Pfizer. Dieser wird bei minus achtzig Grad gelagert und bei Bedarf zwei Mal wöchentlich nach Einsiedeln bestellt und dort vorbereitet.

Stockt nun die Lieferung, weil bei Pfizer die Produktion unterbrochen wurde? Wir sind momentan nicht von Lieferunterbrüchen betroffen. Die Impfaktion ist im Spital Einsiedeln ohne jede Probleme angelaufen. 24 Personen werden im Zehn-Minuten-Takt pro Nachmittag geimpft. In der kommenden Woche erhält das Spital Einsiedeln einen weiteren Container: Dann wird die Impfkapazität verdoppelt, zwei Ärzte impfen parallel: montags bis freitags von 7 bis 13 Uhr und von 14 bis 20 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 15 Uhr. Wie viele Senioren haben sich bereits bei Ihnen angemeldet für die Impfung?

Bis anhin haben sich im Kanton über 5000 Personen für eine Erst- und Zweitimpfung angemeldet. Insgesamt gibt es im Kanton Schwyz 13’000 Senioren, die über 75 Jahre alt sind. Ab heute können sich auch Risikopatienten registrieren. Und danach je nach Verfügbarkeit des Impfstoffes auch die 65- bis 75-Jährigen. Wann kann sich die «normale» Bevölkerung impfen lassen? Ein präzises Datum kann ich Ihnen hierzu noch nicht nennen. Es ist davon auszugehen, dass die breite Bevölkerung im zweiten Quartal 2021 geimpft werden kann.

Sind bereits alle Bewohner in den Schwyzer Pflegeheimen geimpft worden, die eine Impfung erhalten wollten? Die Einsiedler Pflegeheime wurden mittels mobilem Equipment des AMEOS Spitals Einsiedeln mit Pfizer-Impfstoff versorgt. Am 21. Januar 2021 werden in allen Schwyzer Pflegeheimen die Erstimpfungen verabreicht sein. Gleichzeitig starten wir mit der Zweitimpfung in den Heimen.

Werden auch Hausärzte in Einsiedeln Impfdosen erhalten? Ja, das wird der Fall sein. Allerdings ist der Zeitpunkt, wann die Hausärzte mit Impfen starten können, derzeit noch nicht bekannt. Aufgrund der grossen Herausforderungen an die Handhabung des Pfizer-Impfstoffs wird in den Arztpraxen nur der Moderna-Impfstoff verimpft werden.

Müssen im Kanton Schwyz auch Kontaktpersonen von Kontaktpersonen der Infizierten in die Quarantäne? Ja, falls das neue englische mutierte Virus B117 im Spiel ist: Weil dieses hochansteckend ist, müssen auch Kontakte von Kontakten der Infizierten in die Quarantäne. Wie viele B117-Fälle, die englische Mutation, gibt es im Kanton Schwyz?

Bis anhin sind sechs Fälle mit dem Virus B117 im Kanton Schwyz aufgetaucht. Sollen im Kanton Schwyz vermehrt Schüler und Bewohner in Pflegeheimen getestet werden?

Diese Idee steht zumindest im Raum und wird vom Bund geprüft. Es ist also gut möglich, dass zukünftig vermehrt getestet wird. Allerdings macht dieses Prozedere nur Sinn, wenn die Reihentests regelmässig durchgeführt werden.

Werden im Kanton Schwyz die Schulen erneut geschlossen?

Das ist derzeit nicht geplant. Die Dynamik des mutierten Virus ist aber schwer abzuschätzen. Eine Schulschliessung kann deshalb nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Braucht es eine Reform des Krisenföderalismus?

Nein, eine Reform ist nicht nötig. Ich halte den Föderalismus nach wie vor für ein gutes System. Es braucht aber sicherlich ein paar Anpassungen, damit das Zusammenspiel zwischen Bund und Kantone verbessert werden kann. Die Corona-Krise dauert jetzt bereits ein ganzes Jahr. Wie fällt Ihre Bilanz aus? Der Kanton Schwyz hatte in der ersten Welle Glück: Er ist gelinde und glimpflich durch den Frühling gekommen, obwohl bereits damals Todesfälle zu beklagen waren. Wir hatten nicht wirklich viele Corona-Fälle. Im Sommer hat sich dann das Geschehen weiter beruhigt. Bevor es dann im Oktober rasant hinaufgegangen ist. Die Zahlen sind in der Folge im November wieder zügig gesunken – bevor sie sich auf relativ hohem Niveau stabilisiert haben. Jetzt haben wir das neue Problem mit dem sehr ansteckenden Virus B117 – und gleichzeitig Hoffnung, dass dank der Impfung die Corona-Pandemie besiegt werden kann. Es ist derzeit ein Wettrennen im Gang – zwischen dem mutierten und dem normalen Virus und der Covid-19-Impfung. Während der ganzen Pandemie gibt das Virus den Takt vor.

Viele Leute sind Corona-müde. Skeptiker haben Auftrieb, und die Stimmung ist zunehmend gereizt. Stellen Sie das auch fest? Es ist tatsächlich so, dass meine Mailbox häufig sehr gut gefüllt ist mit Informationen, Fragestellungen und Bemerkungen jeder Facette zur Pandemie. Jede Person kann seine Meinung frei äussern. Kein Verständnis habe ich, wenn die Diskussion aggressiv wird und Leute verunglimpft werden.

«Es ist davon auszugehen, dass die breite Bevölkerung im zweiten Quartal 2021 geimpft werden kann.» «Kein Verständnis habe ich, wenn die Diskussion aggressiv wird und Leute verunglimpft werden.»

Kerstin Schlimbach-Neuhauser, Leiterin der Klinik für Innere Medizin, Moustafa Kassar, Arzt Innere Medizin, Regierungsrätin Petra Steimen, Karin Kuster, Leiterin Personal und verantwortlich für das Impfzentrum, sowie Michael Mehner, Direktor AMEOS Spital Einsiedeln, posieren vor dem Impfzentrum (von links).

Foto: Magnus Leibundgut

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