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Saison ist leider zu Ende

Saison ist leider zu Ende Saison ist leider zu Ende
Urs Kryenbühl in Kitzbühel beim Zielsprung schwer gestürzt Urs Kryenbühl stürzte in der Abfahrt vom Freitag beim Zielsprung der Streif

Urs Kryenbühl in Kitzbühel beim Zielsprung schwer gestürzt

Urs Kryenbühl stürzte in der Abfahrt vom Freitag beim Zielsprung der Streif schwer und erlitt dabei verschiedene Verletzungen, die für ihn das Saisonende bedeuten.

KONRAD SCHULER

Nach den zwei Podestplätzen in drei Abfahrtsrennen im Dezember gehörte Urs Kryenbühl trotz bescheidenen Trainingsergebnissen in Kitzbühel zu den Mitfavoriten. Mit der Startnummer 17 legte er denn auch eine technisch saubere Fahrt hin. Nur bei der Einfahrt in die Hausbergtraverse gab es eine kleine Schrecksekunde.

Brutaler Sturz

Die letzte Zwischenzeit oben am Hausberg bei der Einfahrt in den Zielschuss liess mit 1,57 Sekunden Rückstand auf den Sieger Beat Feuz auf einen Rang in den Top Ten hoffen. Dann kam aber noch der über Tage heiss diskutierte Zielsprung, auf den Urs Kryenbühl mit 146 Stundenkilometern zuraste. Der Unteriberger bekam bei seinem weiten und hohen Flug vor allem auf dem rechten Ski Oberluft und schlug dann brutal auf der Piste auf.

Nach mehreren schrecklichen Überschlägen flog er schlussendlich auch noch durchs Ziel, was dazu führte, dass er mit 3,4 Sekunden auf dem 25. Rang im Schlussklassement auftauchte. Der bald 27-jährige Topathlet blieb dort liegen, richtete sich kurz leicht auf und erkannte seinen Trainer. Eine Zeit lang musste er aber wohl auch sein Bewusstsein verloren haben. Es folgten für alle Beteiligten am Kitzbühel-Spektakel Minuten bis Stunden der Ungewissheit und des Bangens um die Gesundheit von Urs Kryenbühl.

Erinnerungen an Albrechts Sturz kamen hoch Die Rettungskräfte waren bei ihm, machten die Erstversorgung und flogen ihn ins zehn Kilometer entfernte Bezirksspital St. Johann. Beim Sturz kamen den Skifans sofort wieder die Bilder von vor genau zwölf Jahren in Erinnerung, als Daniel Albrecht an der gleichen Stelle schwer stürzte und danach drei Wochen im Koma lag. So schlimm erwischte es Gott sei Dank Urs Kryenbühl nicht.

Spezialhelm und gute Falltechnik Am Abend gab er aus dem Spital die ersten Informationen und leisen Entwarnungen. Swiss-Ski liess verlauten: «Die ersten Untersuchungen haben eine Gehirnerschütterung, einen Bruch des rechten Schlüsselbeins sowie einen Riss des Kreuz- und Innenbandes im rechten Knie ergeben. » Glück hatte Kryenbühl, der bei seinem Sturz auch auf dem Kopf landete, dass er einen neuen Spezialhelm trug, der den Aufprall enorm dämpfte. Ski-Experte Bernhard Russi attestierte dem Unteriberger zudem, dass dieser durch seine sehr gute «Falltechnik» schwerere Verletzungen vermeiden konnte. «Er ist nicht frontal aufgeprallt, sondern konnte vor dem Sturz seinen Körper eindrehen. Zuvor Cochran-Siegle gestürzt

Vor dem Sturz von Urs Kryenbühl hatte es schon den Amerikaner Ryan Cochran-Siegle erwischt, der in der Traverse in die Fangnetze flog und sich eine leichte Halswirbelverletzung zuzog. Kaum waren die Rotorblätter des Helikopters abgestellt, mussten sie für die Bergung von Urs Kryenbühl wieder in Schwung gebracht werden.

Zweimal musste das Rennen wegen der Bergung der gestürzten Fahrer für mehrere Minuten unterbrochen werden. Danach folgte ein langer Unterbruch wegen dem aufkommenden Wind. Schlussendlich musste Beat Feuz lange zittern, ob überhaupt 30 Fahrer runtergelassen werden und das Rennen gewertet wird.

Für Beat Feuz kam es gut. Nach genau 30 Fahrern wurde das Rennen abgebrochen und gewertet. 28 Fahrer tauchten in der Rangliste auf, unter ihnen eben auf Rang 25 auch Urs Kryenbühl. Nach rund drei Stunden und 30 Fahrten konnte Beat Feuz seinen Sieg zumindest ein bisschen geniessen. Laut Vater Erwin Kryenbühl geht es Sohn Urs recht gut. Die Saison sei zwar zu Ende, aber im nächsten Winter werde Urs wieder angreifen. «Ja, es geht Urs so weit gut, er ist zu Hause», gab Vater Erwin am Sonntagabend Entwarnung. Urs könne sich an den Sturz gut erinnern. Einen Moment lang habe er aber wohl das Bewusstsein verloren gehabt. Urs sei schon wieder den Umständen entsprechend wohlauf. Einzig das Schlüsselbein schmerze.

Wind im Spiel?

Am Samstag sei er nach Hause gebracht worden. Aktuell laufen die Abklärungen, ob Urs operiert werden soll oder nicht. Er selber habe seinen Sohn am Samstag im Spital in St. Johann kontaktiert. Zwei Äusserungen von ihm seien ihm geblieben. «Ich habe Freude an den sechs gewonnenen Weltcuppunkten. Schade ist, dass ich Feuz nicht gratulieren durfte », so seien die Worte von Urs ausgefallen.

«Man fühlt sich hilflos»

Im Kopfbereich seien keine Verletzungen zum Vorschein getreten. Einzig die Nase sei mitgenommen. Zum Sturz selber habe sich Urs ebenfalls geäussert. «Im Normalfall bringe ich doch die Skispitzen wieder rauf. Es dürfte Wind im Spiel gewesen sein», so die Worte von Urs. Vater Erwin hat das Rennen am Fernsehen mitverfolgt. «Ja, ich habe mittlerweile den Sturz mehrmals angeschaut.» Auf die Frage, wie es ihm beim Ansehen des Sturzes ergangen sei, dauerte es etwas, bis die Antwort kam. «Das ist schwierig zu sagen, man fühlt sich hilflos.» Kompliment an die Rettungskräfte Er stellte sich selber die Frage, wie es wohl gewesen wäre, wenn sie als Eltern, wie in den letzten Jahren mehrmals, vor Ort gewesen wären. «Zu Hause weiss man sofort, dass man nicht eingreifen und helfen kann», schob er nach. Ein Kompliment hat er für die Rettungskräfte parat. «Die Rettungskette hat funktioniert. » Das zu wissen, beruhige schon. Mutter Irene schaut die Rennen dagegen schon länger nicht mehr live. «Es wird dann nachher halt herumgezappt », sagt Ehemann Erwin.

So wie er seinen Sohn kenne, werde dieser im kommenden Winter erneut voll angreifen. Urs selber habe sich in die Diskussionen um den Zielsprung nicht gross eingemischt. Er habe aber bestätigt, dass das während drei Tagen ein Thema gewesen sei. Ob das damit zu tun hat, dass Urs selber uns stilistisch wunderschöne Sprünge in die Stuben liefert, kann nur vermutet werden. Sicher ist aber, dass er weite Sprünge grundsätzlich liebt. «Hatte grossen Schutzengel»

Auf Instagram zeigte sich der 26-jährige Unteriberger trotz seines schweren Sturzes und trotz seiner Verletzungen wieder recht locker. «So, ich bin dann mal in der Sommerpause!», postete er. «So hart es klingt, ist für mich diese Saison gelaufen. Dass ich bei diesem Sturz in Kitzbühel aber doch einen grossen Schutzengel an meiner Seite hatte, ist unbestritten. Ich möchte mich hiermit auch bei allen für die Genesungswünsche und die Nachrichten bedanken. Die Anteilnahme ist riesig – Herzlichen Dank dafür!»

«Ja, es geht Urs so weit gut, er ist zu Hause.»

Erwin Kryenbühl, Vater von Urs

Der tragische Moment: Urs Kryenbühls Zielsprung missglückt. Foto: SRF Screenshot

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