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«Das Verhalten betrübt mich sehr»

rit. Die Chefärztin Kerstin Schlimbach leitet am Spital Einsiedeln die Klinik Innere Medizin und ist für Coronapatienten zuständig. «Ich

rit. Die Chefärztin Kerstin Schlimbach leitet am Spital Einsiedeln die Klinik Innere Medizin und ist für Coronapatienten zuständig. «Ich habe auf dem Weg zur Arbeit mit eigenen Augen gesehen, wie die Leute am Montag dicht an dicht standen. Es bestand ganz klar das Risiko für Ansteckungen. » Als sie im Spital ankam, hätten dort alle nur den Kopf geschüttelt. Was sagt sie zum Sühudiumzug?

Kerstin Schlimbach: Es ist ausserordentlich bedauerlich, wie während des Fasnachtsumzugs die Teilnehmer sich und vor allem Risikogruppen gefährdeten. Das betrübt mich sehr.

Worin besteht die Gefahr?

Für viele ist es weder spür- noch sichtbar, aber den Patienten, die bei uns landen, geht es zum Teil sehr schlecht. Sie haben Fieberschübe. Es drückt ihnen auf die Brust. Sie ringen um Atem. Sie haben Angst. Eine Covid-19-Erkrankung kann zudem unabschätzbare Langzeitfolgen haben. Auch Patienten mit relativ milden Verläufen leiden an Gedächtnisschwierigkeiten und Müdigkeit. Das trifft auch jüngere Menschen. Sie sind nach der Krankheit oft nicht mehr richtig leistungsfähig. Gott sei Dank gibt es aber auch viele milde Verläufe. Es ist dennoch völlig unverständlich, dass man sich deswegen zu einem Treiben wie in Einsiedeln hinreissen lässt. Denn auch wenn man selbst einen milden Verlauf hat, kann man die Krankheit an Risikopersonen weitergeben, die dann schwer erkranken. Und es ist ganz klar: Je mehr Ansteckungen es gibt, desto mehr Menschen sterben auch an der Krankheit.

Sie haben am Montag den vorerst letzten Coronapatienten entlassen. Wenn mir jemand sagt, er könne an die Fasnacht, nur weil bei uns kein Patient mehr liegt, rate ich ihm, einmal einen Tag auf einer solchen Station zu arbeiten und sich die Sache selbst anzuschauen.

In Einsiedeln haben wir zwar keine Intensivstation mit einer temporären Beatmungsmöglichkeit. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als wir die Zentralschweizer Spitäler nach freien Intensivplätzen abtelefonieren mussten. Teils konnten wir einen Patienten gerade noch in das letzte freie Bett vermitteln. Die Situation ist entspannter, die Fallzahlen gehen runter. Aber sie sind immer noch viel zu hoch. Grossflächige Lockerungen liegen im Moment nicht drin.

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