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Einheimische Lebensmittel sind gefragt wie nie

Die Hofläden verzeichneten einen extremen Kundenzuwachs Der Bauernverband blickt auf ein erfolgreiches Jahr mit guter Nachfrage nach einheimischen

Die Hofläden verzeichneten einen extremen Kundenzuwachs

Der Bauernverband blickt auf ein erfolgreiches Jahr mit guter Nachfrage nach einheimischen Lebensmitteln zurück.

FRANZ STEINEGGER

Die Landwirtschaft hat die Corona-Krise nicht nur gut gemeistert, sondern sogar davon profitiert. Sie erlebte «eine speziell hohe Wertschätzung», schreibt der Euthaler Albin Fuchs, Präsident der Bauernvereinigung des Kantons Schwyz (BVSZ), im Jahresbericht 2020. «Die heimischen Nahrungsmittel waren begehrt, und die Hofläden wurden beinahe überrannt. » Die Hofläden mit biologischen Produkten haben gar einen «extremen Zuwachs verzeichnet, bis zum Vierfachen des normalen Verkaufs», präzisiert Paul Ebnöther, Präsident von Bio Schwyz. Die hohe Nachfrage spürte auch der ländliche Marktplatz Urschwyz, was in den Zugriffen auf die Homepage deutlich erkennbar sei, schreibt Geschäftsführer Clemens Columberg.

Von diesem Trend profitierten auch die Viehhalter. Die 2580 Schlachttiere, welche über die Viehvermarktungshalle in Rothenthurm abgesetzt wurden, konnten rund zehn Prozent teurer als im Vorjahr verkauft werden. Die mit Abstand grösste Klasse, jene der Kühe, erzielte einen durchschnittlichen Erlös von knapp 2700 Franken, während es 2019 noch 2473 Franken waren.

Der Milchpreis verharrte auf tiefem Niveau Beim Nutzvieh dasselbe Bild: In der Markthalle wurden 218 Stück versteigert. Der mittlere Preis der Kühe und tragenden Rinder betrug 3105 Franken, ein Jahr zuvor galten sie im Durchschnitt 3059 Franken. Positiv entwickelten sich auch die Märkte für Schweine-, Lammund Pouletfleisch. Einzig bei den Milchpreisen war die Entwicklung enttäuschend. Der erhoffte markante Preisaufschlag blieb aus, obwohl die Milch ein knappes Gut war. Gesamtschweizerisch mussten sogar 5800 Tonnen Butter importiert werden. Eine interessante Fussnote berichtet davon, dass die Käseimporte erstmals die Exporte überholten.

Das wüchsige Wetter mit dem frühen Frühling sorgte nicht nur für einen guten Futterertrag und eine schöne Alpzeit. Auch im Ackerbau und bei der Obst- und Beerenernte gab es überdurchschnittliche Erträge. Rekordverdächtig hoch war die Zwetschgenernte. Das Mostobst hätte sogar den Bedarf von zwei Jahren abdecken können. Weil noch ein ganzer Jahresbedarf eingelagert war, gab es hohe Rückbehalte. Die Auszahlungspreise lagen bei tiefen 11 bis 19 Franken für 100 Kilo Mostobst. Bei den frühen Kirschensorten sorgte der Kälteeinbruch Ende März für herbe Verluste.

Initiativen sorgen für Existenzängste bei den Bauern

Für die Bauern steht ein herausforderndes Jahr an. Da ist einerseits die Neuschätzung der landwirtschaftlichen Grundstücke: Nebst dem Vermögenssteuerwert werden der landwirtschaftliche Ertragswert und die Belastungsgrenze neu festgelegt. Die Bauern täten gut daran, die neuen Werte genau zu überprüfen, schreibt die Agro Treuhand Schwyz GmbH.

Schliesslich warnt BVSZ-Präsident Albin Fuchs vor der Initiative «Für sauberes Trinkwasser » und der Pestizidinitiative, über die im Juni befunden wird. Sie seien «brandgefährlich » für die Landwirtschaft und führten zu «Existenzängsten bei den Bauern». Eine Annahme hätte zur Folge, dass die einheimische Produktion massiv eingeschränkt werde, was zu mehr Lebensmittelimporten führe.

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