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Papst Franziskus setzt mit Bonnemain einen Brückenbauer ein

Papst Franziskus setzt mit  Bonnemain einen Brückenbauer ein Papst Franziskus setzt mit  Bonnemain einen Brückenbauer ein
Joseph Maria Bonnemain wird neuer Bischof von Chur. Mit seiner Wahl hat Papst Franziskus den Konservativen eine empfindliche Niederlage beschert.

Joseph Maria Bonnemain wird neuer Bischof von Chur. Mit seiner Wahl hat Papst Franziskus den Konservativen eine empfindliche Niederlage beschert. Auch im Kanton Schwyz reagiert man erleichtert.

PIERINA HASSLER FRANZ STEINEGGER

Knapp drei Jahre nach dem Rücktritt von Vitus Huonder folgt der Paukenschlag: Papst Franziskus hat Joseph Maria Bonnemain zum neuen Bischof von Chur ernannt. Und die Reaktionen auf diese Wahl sind durchwegs positiv. Andreas Rellstab, Domherr und Vorsitzender des Forums Priester der Diözese Chur, sagt, das Forum nehme Bonnemains Ernennung erfreut zur Kenntnis und wünsche ihm viel Kraft und Gottes Segen für sein Wirken. «Wir kennen ihn als ausgleichende und versöhnende Persönlichkeit, die das Bistum sehr gut kennt, gut vernetzt ist und auch kirchenrechtliche Fragen stets unter pastoralem Blickwinkel behandelt.» Rellstab gehörte von 2008 bis 2011 der Churer Bistumsleitung an. Wegen Differenzen mit dem damaligen Bischof Vitus Huonder reichte er 2011 seinen Rücktritt ein. In einem Interview vom 16. Januar betonte er, die rund 80 Priester, die im Forum Priester Diözese Chur organisiert seien, wollten zur Versöhnung des gespaltenen Bistums beitragen und mit dem künftigen Bischof zusammenarbeiten. «Das Manöver ist nach hinten losgegangen» Die aktuelle Wahl des Bischofs bedarf einer Rückblende: Am 23. November 2020 sollte das Churer Domkapitel den neuen Bischof wählen. Bonnemain war einer der drei Kronfavoriten. Doch die 22 Domherren lehnten die päpstliche Dreierliste pauschal ab. Sie weigerten sich, überhaupt eine Wahl vorzunehmen. Und das mit dem Vorwurf, Vigeli Monn, der Abt der Benediktiner von Disentis, Mauro Lepori, Generalabt der Zisterzienser, und Joseph Maria Bonnemain, Domherr und Offiziat, seien zu wenig in der katholischen Kirche verankert. Der Entscheid löste heftige Reaktionen aus.

Ein Insider sagt: «Es ging vor allem darum, Bonnemain zu verhindern. Aber das Manöver ist jetzt wohl nach hinten losgegangen. » Interessanterweise gehört Bonnemain der erzkonservativen Organisation Opus Dei an. Trotzdem lehnten ihn die Vertrauten von Vitus Huonder ab. Sie sehen Bonnemain als Abtrünnigen. Der Grund liegt im dualen Schweizer System: Die Bischofskirche ist für religiöse Belange zuständig. Die Landeskirche regelt die Finanzen. Konservative lehnen diese Struktur ab. Sie sehen darin ihre bischöfliche Macht beschnitten, weil die Landeskirchen das Geld verwalten. Bonnemain war früher auch dieser Meinung. Mittlerweile hält er sich aber mit Kritik zurück. Auch weil er 2011 von Huonder die Aufgabe erhielt, den Kontakt zu den Landeskirchen zu halten. Und diese Arbeit schon mal als «wunderbar» betitelte.

Schwyz reagiert positiv «Ich bin ihm einige Male begegnet und habe ihn als vornehmen, sehr gebildeten Menschen wahrgenommen, der zuhören kann, sich einbringt und grosses Verständnis für andere Meinungen hat», beschreibt Lorenz Bösch, Präsident des Kirchenvorstandes der Kantonalkirche Schwyz, den neuen Bischof. Joseph M. Bonnemain habe anfänglich eine kritische Haltung zu den staatskirchlichen Strukturen gehabt, inzwischen aber die Chancen einer Zusammenarbeit erkannt. «Von der Haltung her gehört er zu den gemässigt konservativen Kreisen. Er hat dank seiner langjährigen Arbeit als Seelsorger, Spitalseelsorger und oberster Richter sehr gute Einsicht in die Verhältnisse des Bistums.» Lorenz Bösch ist überzeugt, dass mit der Ernennung von Bonnemain der Papst ein deutliches Zeichen gesetzt habe. Das Umfeld von Bischofsvikar Martin Grichting sei damit blossgestellt worden. Bösch verbindet mit der Wahl des neuen Bischofs die Hoffnung, dass nun die Gräben zugeschüttet werden. «Dafür ist er die richtige Person. Ich bin erfreut und zuversichtlich, dass es jetzt gut kommt.» Der ehemalige Generalvikar Martin Kopp war während 13 Jahren mit Joseph M. Bonnemain im Bischofsrat. «Ich schätze ihn überaus. Er stellte immer die Seelsorge in den Vordergrund und ist damit in Chur angeeckt. Wir haben im Bischofsrat miteinander schwierige Zeiten durchgestanden.» Kopp erinnert daran, dass mit seiner Absetzung vor einem Jahr «ein Powerplay der Einschüchterung und Abstrafung begann. Bei der sogenannten Wahl im letzten November rechnete die Gruppe um Grichting, dass sie stärker sei, und ging damit ein hohes Risiko ein. Das liess sich der Papst offenbar nicht bieten», erklärt Martin Kopp und verrät, dass diese Nichtwahl in erster Linie auf Bonnemain abzielte.

Martin Kopp bezweifelt, dass der neue Bischof die Kreise um Grichting nochmals ins Amt nimmt. Seine vordringlichste Aufgabe sei, «so viel wie möglich Vertrauen schaffen, das in den letzten Jahren verloren ging».

Eugen Koller, seit 20 Jahren Redaktor des «Pfarreiblattes Uri Schwyz», kennt Joseph M. Bonnemain als Spitalseelsorgerkollegen von seiner Tätigkeit als Klinikseelsorger. Der neue Bischof mache einen hervorragenden Job auch als Sekretär des Fachgremiums «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» der Schweizer Bischofskonferenz. «Da ist er absolut kompromisslos. Joseph M. Bonnemain ist sehr bedacht, vermittelnd, weder progressiv noch konservativ, ein Mann des Ausgleichs und der Vermittlung. Er hat eine gemässigte, gute Art, an Aufgaben heranzugehen.» Aus der Dreierliste sei er für ihn die beste Wahl. Dringlichste Aufgabe sei nun, «gute Leute in die Bistumsleitung zu bringen, die wichtigen Stellen im Bistum geschickt zu bestellen. In den letzten Jahren war durch diese Personalfragen vieles blockiert. Es ist dringend notwendig, dass diese Unsicherheiten aus dem Weg geräumt werden». Eugen Koller ist überzeugt, dass Bonnemain entspannende Akzente setzen wird.

Die Bischofsweihe wird voraussichtlich an Ostern stattfinden.

Der neue Churer Bischof heisst Joseph Maria Bonnemain. Die Weihe wird voraussichtlich an Ostern stattfinden.

Foto: Bistum Chur

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