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«Skispringen ist ein kopflastiger Sport»

«Skispringen ist ein kopflastiger Sport» «Skispringen ist ein kopflastiger Sport»
Heute tritt Andreas Schuler bei der Qualifikation der Ski-WM auf der Normalschanze an Der Rothenthurmer Skispringer, der seit Jahren für den

Heute tritt Andreas Schuler bei der Qualifikation der Ski-WM auf der Normalschanze an

Der Rothenthurmer Skispringer, der seit Jahren für den SC Einsiedeln startet, ist happy: Er wurde als vierter Springer für die nordische Ski-WM in Oberstdorf nachnominiert. Heute findet die Qualifikation auf der Normalschanze statt. Der 25-Jährige ist guter Dinge.

WOLFGANG HOLZ

Wie geht’s Ihnen Herr Schuler? Sind Sie happy über Ihre Nachnominierung für die Ski-WM? Ja, ganz sicher. Es ist für einen Sportler schon etwas Megacooles, an so einem Gross-Event teilnehmen und sich präsentieren zu können. Wie kam es zur Nachnominierung?

Simon Ammann, Gregor Deschwanden und Dominik Peter waren ja bereits nominiert worden. Aber da Killian Peier wegen seiner Verletzung nicht starten kann, stand noch ein vierter Platz zur Verfügung. Eigentlich hätte auch noch Sandro Hauswirth nominiert werden können, Aber letztendlich hatte ich dann als Einziger die Selektionskriterien erfüllt. Das macht mich froh – allerdings habe ich auch gewisse Ansprüche. Ich will ja nicht nur dabei sein, sondern auch etwas leisten.

Womit wir beim Thema wären. Wie sehen denn Ihre Ambitionen für die Ski-WM aus? Mit der kleinen Schanze in Oberstdorf tue ich mich, ehrlich gesagt, etwas schwer. Da habe ich die meisten Probleme und keine speziellen Resultate. Ich habe es bis jetzt einfach nicht geschafft, genügend Wirkung beim Absprung zu erzielen. Die Grossschanze liegt mir viel besser. In Innsbruck bin ich bei der letzten WM auf Platz 26 gesprungen. Mein Ziel wäre in diesem Sinn ein Top-25-Ergebnis auf der Grossschanze.

Heute ist ja die Qualifikation für die Normalschanze. Sind Sie sicher, dass Sie sich überhaupt fürs Hauptfeld qualifizieren? Ja, das ist das Mindestziel. Ich sollte es schon schaffen, unter die ersten 50 fürs Hauptfeld zu kommen. Ich fühle mich eigentlich schon in Form. Mir fehlt eben noch ein bisschen die Konstanz. Wenn alles stimmt, kann ich einen guten Sprung runterbringen. Ich bin auf jeden Fall guter Dinge. Wie geht’s Ihnen eigentlich gesundheitlich? Sie litten ja unter Asthmaproblemen nach Ihrer Covid-19-Erkrankung.

Es geht wieder besser. Die Nachwirkungen der Coronainfektion für meine Lunge habe ich recht lange gespürt. Das ging ungefähr zwei Monate lang so. Von Woche zu Woche ist es besser geworden. Im Alltag habe ich keine Probleme mehr – ausser einem Druckgefühl auf der Brust. Auch nicht beim lockeren Joggen. Aber wenn ich mit meinem Körper in kurzer Zeit ans Limit gehen soll, habe ich mit den Nachwirkungen schon noch zu kämpfen. Ich habe Glück, dass ich kein Ausdauersportler bin.

Was ist mit Impfen?

Ob ich mich impfen lassen werde, weiss ich noch nicht. Das muss ich erst mit meinem Sportarzt abklären. Zuerst sollen Risikogruppen die Impfung erhalten. Ich habe auf jeden Fall Respekt vor Corona und möchte nicht nochmal an Covid-19 erkranken. Sie sind nach der Verletzung von Killian Peier nun der einzige Skispringer aus der Region Einsiedeln. Macht Sie das stolz? Also, ob ich stolz bin, weil ich der einzig wahre Einsiedler an der WM bin, kann ich spontan nicht sagen. Schliesslich trainiert ja das ganze Schweizer Skisprungteam regelmässig in Einsiedeln, und alle Skispringer sind irgendwie zugewanderte Einsiedler. Stehen Sie in Kontakt mit Killian Peier?

Ja, wir sind eigentlich sowohl privat als auch vom Team her gesehen die besten Kollegen. Ich bin mit ihm öfters in Kontakt und habe erfahren, dass seine Kreuzbandverletzung gut heilt. Dass er akribisch in der Physio arbeitet. Tipps hat er mir eigentlich keine gegeben, aber ich war ja vor zwei Jahren live in Innsbruck mit dabei, als Killian seine Bronzemedaille auf der Grossschanze gewann. Da werden in mir Erinnerungen wieder lebendig. Und für mich ist sein Erfolg natürlich auch eine grosse Motivation. Grundsätzlich kann man sagen, dass Skispringen ein kopflastiger Sport ist. Kopflastig?! Ich denke, man springt mit den Beinen ab?

Ja, das schon. Aber für einen Skispringer spielt sich in kürzesten Abständen so viel Anspruchsvolles ab, dass der Kopf voll gefordert ist. Man fährt ja mit 90 Stundenkilometer die Schanze runter, muss dann in Sekundenbruchteilen den richtigen Absprung erwischen und danach sofort in eine optimale Flugphase steuern. Da passiert schon extrem viel in kurzer Zeit. Apropos. In Planica 2018 sind Sie mal 209 Meter gesprungen – Ihre persönliche Bestweite. Wie erlebt man so einen Sprung? Da passiert sicher auch einiges. So einen Sprung zu erleben, ist wirklich cool. Weil man länger fliegt und das Gefühl erhält, richtig in die Luft abzuheben. Durch den Körper schiesst gleichzeitig viel Adrenalin. Solche Sprünge können schon süchtig machen. Was war für Sie bisher der grösste Erfolg in Ihrer Sportlerkarriere?

Da ist sicher der 3. Platz im Continental Cup in Frenstadt 2019 in Tschechien. Verschiedene Weltcuppunkte. Und, wie gesagt, der 26. Platz in Innsbruck am Berg Isel 2019. Was wollen Sie noch erreichen?

Die Olympischen Spiele in Peking 2022 sind sicherlich ein Thema. Grundsätzlich will ich mein Skispringen noch optimieren. Es ist noch nicht alles so gelaufen, wie es geplant war. Letzte Frage: Wie sieht es in Oberstdorf aus– hat es überhaupt genügend Schnee? Es sieht in Oberstdorf momentan eigentlich ziemlich ausgeapert aus – so wie in Einsiedeln. Aber sie haben offensichtlich viel Kunstschnee machen können. Und in den Seitentälern von Oberstdorf gibt es anscheinend noch genügend Schnee.

Skispringer Andreas Schuler (25) aus Rothenthurm freut sich über seine Nachnominierung für die Ski-WM in Oberstdorf. Foto: Swiss-Ski

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