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Beim öffentlichen Verkehr setzt der Bezirk auf eine Vorwärtsstrategie

Beim öffentlichen Verkehr setzt der Bezirk auf eine Vorwärtsstrategie Beim öffentlichen Verkehr setzt der Bezirk auf eine Vorwärtsstrategie
Die Frequenzen des Ortsbusses sind rückläufig. Der Bezirk will den Fahrplan verdichten und dafür die Regiobusse einsetzen. VICTOR KÄLIN

Die Frequenzen des Ortsbusses sind rückläufig. Der Bezirk will den Fahrplan verdichten und dafür die Regiobusse einsetzen.

VICTOR KÄLIN

Wenn es denn so einfach wäre, könnte man von «zwei Fliegen auf einen Streich» sprechen. Hier der Ortsbus, bei dem lediglich die Hälfte der Kurse auf die Bahn abgestimmt ist, womit die anderen Linien stetig schlechter ausgelastet sind (siehe Box). Und da die Regiobusse, welche am Bahnhof zwischen Ankunft und Abfahrt rund eine Viertelstunde unproduktiv warten. «Und parallel dazu kursiert im Dorf ein Ortsbus mit rückläufigen Frequenzen», wie Bezirksrat Patrick Notter ungeschminkt festhält. Für den Vorsteher des Ressorts Volkswirtschaft und Sicherheit war «eine Reaktion zwingend».

2021 – 2022 – 2023

Unter der Bezeichnung «Neues ÖV-Konzept mit Durchmesserlinien » ist unter Mitwirkung eines auswärtigen Fachbüros diese Reaktion erfolgt. Zwar liegen die Antworten erst als Grobentwurf vor. Sie sind aber immerhin so weit ausgedacht, dass sich der Bezirksrat im Februar 2021 überzeugen liess und dem Ressort Volkswirtschaft den Auftrag erteilte, ein Konzept zu entwerfen. Dieses soll unter anderem die Synergien zwischen den Linien des Ortsbusses und jener der Regionalbusse besser nutzen.

Das vorgesehene Konzept soll bis im Sommer ausgearbeitet sein. Voraussichtlich im August wird der Bezirksrat entscheiden, ob und wann eine Abstimmungsvorlage erarbeitet werden soll. Falls es zur Abstimmung kommt, erwartet Notter diese im Frühjahr 2022. Bei einer Zustimmung können somit das neue Fahrplanangebot und die neuen Durchmesserlinien auf Ende 2023 eingeführt werden.

Durchmesserlinien Mit der beabsichtigten Einführung von Durchmesserlinien betritt der Bezirk Neuland. Bisher war und ist der Bahnhof für die fünf regionalen Postautolinien zugleich der Endbahnhof. Von hier aus ging es nicht mehr weiter, sondern lediglich wieder zurück zum Ausgangspunkt. «Doch nun», so Notter, «sollen die Regiobusse während der Wartezeit die Linien des Ortsbusses abdecken und zusätzliche Gebiete erschliessen. » Mit der Integration in die Durchmesserlinien fliesst der Grundgedanke des Ortsbusses in das neue ÖV-Konzept ein. Notter verweist darauf, dass die verschiedenen Äste der Regionallinien «viel bessere und zahlreichere Anschlüsse» auf die S13 und S40 ermöglichen, als dies ein einzelnes Ortsbusfahrzeug leisten könne. Zudem würden die Durchmesserlinien attraktivere Verbindungen gewähren. Notter denkt beispielsweise an die Kurse von Bennau oder Egg/Willerzell zum Spital, was dank der Durchmesserlinien ohne Umstieg möglich sein werde. Oder an den Ybrigerbus, der halbstündlich via Bahnhof auch bis zum Kobiboden fährt und somit zu Arbeitsplätzen, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangeboten.

Behinderte gemäss Gesetz gleichstellen Zum Handeln gezwungen ist der Bezirksrat auch ohne neues Konzept. Denn das Behindertengleichstellungsgesetz schreibt vor, dass sämtliche Haltekanten bis im Jahr 2023 hindernisfrei gebaut werden müssen. Die vorgesehenen Linienführungen sind entscheidend für die Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen. Erst wenn die Linien definiert sind, können die Kanten am richtigen Ort gebaut werden.

Kobiboden In diesem Zusammenhang denkt Patrick Notter auch an den Kobiboden. Während ein Teil der Ortsbuskurse rückläufig benutzt wird, «nimmt der motorisierte Individualverkehr ständig zu, was sich auf der Zürichstrasse am deutlichsten zeigt». Notter bedauert, dass das Arbeitsplatzgebiet Kobiboden mit über 1000 Arbeitsplätzen mit dem ÖV «nur unzureichend bis gar nicht erschlossen ist». Für ihn ist auch in dieser Frage «klar Handlungsbedarf angezeigt». Die Lösung heisst: neuer Rundkurs. Bevor dieser allerdings eingeführt werden kann, muss erst der Durchstich Kobiboden–Eschbach realisiert sein. «Ist dieser Strassenabschnitt aber gebaut», blickt Notter voraus, «kann auch der Kobiboden mit einem Halbstundentakt erschlossen werden.»

Wird das neue ÖV-Konzept umgesetzt, werden die Ortsbusse ersetzt. Deren Linien werden dann durch die Regiobusse (siehe Aufnahme) befahren.

Kämpft mit sinkenden Frequenzen: der Einsiedler Ortsbus. Fotos: Lukas Schumacher

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