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Der Kanton Schwyz kauft seine Fahrzeuge mit Augenmass ein

Der Kanton Schwyz kauft seine Fahrzeuge mit Augenmass ein Der Kanton Schwyz kauft seine Fahrzeuge mit Augenmass ein
Der Regierungsrat will sich bei der Beschaffung seines Fahrzeugparks weder technisch noch ökologisch einschränken lassen. ANDREAS KNOBEL

Der Regierungsrat will sich bei der Beschaffung seines Fahrzeugparks weder technisch noch ökologisch einschränken lassen.

ANDREAS KNOBEL

Weil sich die Schweiz verpflichtet hat, ihre Treibhausemissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 zu halbieren, ist «Beschleunigung der Reduktion» angesagt. Allerdings seien diese Werte bis 2018 erst um 14 Prozent gefallen, ruft der grünliberale Kantonsrat Rudolf Bopp aus Einsiedeln mit Mitunterzeichnern in einer Interpellation namens «Mehr Fahrzeuge mit nachhaltigen Antriebskonzepten für den Kanton Schwyz?» in Erinnerung. Dabei stellt er dem Regierungsrat eine lange Liste von Fragen zu. Im Wesentlichen drehen sie sich darum, wie viele Fahrzeuge mit welcher Antriebsart der Kanton besitze und welche Bestrebungen im Gange seien, nachhaltigere Modelle zu beschaffen.

Elektrisch nicht immer am besten In ihrer ausführlichen Antwort zeigt sich die Regierung pragmatisch. Denn so einfach lässt sich der Fahrzeugpark nicht umstellen. Insgesamt verfügen die Departemente und Amtsstellen über 260 Fahrzeuge verschiedenster Arten. Davon entfällt mit 220 Fahrzeugen der grösste Anteil von 85 Prozent auf die Polizei sowie den Militär-, Feuer- und Zivilschutz im Sicherheitsdepartement und den Strassenunterhalt im Baudepartement. Lediglich 40 Fahrzeuge verbleiben bei den anderen Departementen.

So liege es auf der Hand, so die Regierung in ihrer Antwort, dass meistens die spezifischen technischen und ausstattungsmässigen Anforderungen im Vordergrund stünden, die Antriebsform spiele oftmals keine Rolle. Oder anders erklärt: Wenn etwa ein Polizeiauto oder ein Baufahrzeug angeschafft werden muss, stehen Kriterien wie Stauraum, Anhängelast oder Verfügbarkeit im Vordergrund. Hier ist das Angebot mit alternativem Antrieb oft noch bescheiden. Kommt dazu, dass es für Elektromotoren auch entsprechende Infrastruktur braucht.

Nicht zu Symbolpolitik hinreissen lassen Diese und weitere Faktoren seien auch mitentscheidend für die gesamthafte Umweltbilanz der Fahrzeuge, so der Regierungsrat: «Es verhält sich denn (bislang) auch nicht so, dass elektrisch betriebene Fahrzeuge unabhängig von den konkreten Einsatzformen stets eine bessere Schadstoffbilanz aufweisen, was umso mehr gilt, wenn zusätzlich die Herkunft des Ladestroms und der gesamte Herstellungsprozess der Batterien sowie die spätere Entsorgung einberechnet werden.» Und: Ein Kriterium bleibe natürlich weiterhin der Preis, der Regierungsrat werde sich «auch in diesem Themenbereich nicht zu einer blossen Symbolpolitik hinreissen lassen».

Klar sieht die Regierung die alternativen Antriebsformen auch für die kantonale Verwaltung als Chance, der offen begegnet werden soll. Die Energiepolitik ziele darauf ab, umweltschädigende Emissionen zu senken. Man wolle die Entwicklung aufmerksam verfolgen und bei der Fahrzeugbeschaffung umweltschonendere Varianten zu einem verhältnismässigen (Mehr-)Preis im Auge behalten. So werde bei der Kantonspolizei aktuell eruiert, ob Fahrzeuge mit alternativen Antriebskonzepten bereits sinnvoll eingesetzt werden könnten.

Anschaffungen wenn nötig In den letzten fünf Jahren hat der Kanton insgesamt 94 Fahrzeuge beschafft. Der Gesamtbestand habe sich zwar nur geringfügig verändert. Im Rahmen organisatorischer Anpassungen (beispielsweise fünf neue Fahrzeuge für die Kesb im Jahr 2017) zeige sich, dass diese Neubeschaffungen primär einem turnusgemässen Ersatz der zuvor im Einsatz gestandenen Fahrzeuge dienen.

Das heisst: Es wird ein Fahrzeug beschafft, wenn es benötigt wird, und nicht, wenn es irgendeine Planstelle vorsieht. Dabei würden die Departemente und Ämter die Fahrzeuge grundsätzlich selber beschaffen, allenfalls mit Hilfe der Kompetenzstelle Beschaffungswesen. Ein eigentliches Fahrzeugbeschaffungskonzept gebe es aber nicht und mache auch keinen Sinn.

Auf eine weitere Frage von Kantonsrat Bopp räumt die Regierung ein, dass keine systematische und spezifische Erfassung des Treibstoffverbrauchs und des CO2-Ausstosses erfolge. Das würde auch gar kein aussagekräftiges Resultat ergeben, denn gerade bei den beiden grössten Flottenbetreibern Polizei und Strassenunterhalt werde praktisch immer mit Zusatzbelastung gearbeitet.

Bei der Polizei ist es die umfangreiche Ausrüstung, beim Strassenunterhalt können es Anhänger, Schneepflüge und so weiter sein. Das erkläre auch den hohen Anteil an Dieselfahrzeugen. Wobei durchaus die neuesten Technologien berücksichtigt würden. Der Gesamtverbrauch der polizeilichen Flotte auf jeweils 100 gefahrene Kilometer habe so von 2005 bis 2020 um rund 25 Prozent gesenkt werden können.

Pragmatische Haltung Der Regierungsrat hält schliesslich fest, dass es weder ökologisch noch ökonomisch wäre, Fahrzeuge vor ihrem Lebensende abzulösen. In jedem einzelnen Fall müsse beurteilt werden, welche Antriebsform Sinn mache. Im Vordergrund stehe aktuell die Batterieelektrik, aber auch Elektrofahrzeuge mit Brennstoffzellen (Wasserstoff). Deswegen aber Konzepte, Pläne und Vorgaben aufzugleisen, macht für die Regierung keinen Sinn. Diese pragmatische Haltung dürfte sich also wohl mit jener einer breiten Bevölkerungsschicht decken.

Polizeiautos zum Beispiel müssen viele Anforderungen erfüllen, die Antriebsart steht dabei nicht im Vordergrund. Foto: zvg

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