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«Gig economy» – trendige Freiheit»

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SEITENBLICK: POLITISCHE DINGE ROLAND LUTZ Die vor allem aus den USA bekannte «gig economy» fasst auch bei uns immer mehr Fuss. Geprägt

SEITENBLICK: POLITISCHE DINGE

ROLAND LUTZ

Die vor allem aus den USA bekannte «gig economy» fasst auch bei uns immer mehr Fuss. Geprägt von einem geringeren Grad an Bindung und Verantwortung der Auftraggeber und Vermittler gegenüber dem derart beschäftigten Personal drängen sich Fragen zur sozialen Absicherung auf.

Gemeint sind der Uber-Fahrer, die Air-BnB-Vermieter …

Die Politik reagiert oft nur auf Entwicklungen, zumeist weil man nicht auf Vorrat regulieren will. Das gilt auch für die sich ausbreitende «gig economy». Damit wird der Teil des Arbeitsmarktes bezeichnet, bei dem Aufträge flexibel und kurzfristig an Freelancer oder geringfügig Beschäftigte vergeben werden. Nicht in diese Betrachtung eingeschlossen sind etablierte Freiberufler, wie etwa der Architekt. Auch Mitarbeiter von seriösen Temporärfirmen sind davon ausgenommen. Gemeint sind in diesem Zusammenhang vielmehr der Uber-Fahrer, der Air-BnB-Vermieter, der pedalende Essenslieferant oder der Pop-up-Testcenter-Mitarbeiter.

Was gibt es da zu regeln?

Nun, die auftraggebenden Unternehmen und vermittelnden Plattformen verstehen sich in aller Regel eher als Vermittler und weniger als Arbeitgeber. Es werden Minijobs angeboten oder die Dienstleister arbeiten selbstständig und haben daher keinen Anspruch auf bezahlte Ferien und Krankheitstage. Auch müssen sie die Kosten für Sozial- und andere Versicherungen selbst übernehmen. Somit stehen soziale Absicherung und Arbeitnehmerrechte, aber auch betriebliche Mitbestimmung den Beschäftigten nur sehr eingeschränkt zur Verfügung. Den Letzten beissen bekanntlich die Hunde: Das heisst in diesem Fall der Staat, respektive der Steuerzahler, muss dann in der Not einspringen.

Für viele Auftragnehmende zählen Unabhängigkeit, Flexibilität, Selbstbestimmung sowie die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung als Vorteile. Unternehmen andererseits minimieren Kosten im Bereich Vorhalteleistungen, Büroflächen, Weiterbildungen, Ferien und so weiter.

Sucht man sich Aufträge über Plattformen, gilt zudem: Die ökonomische Abhängigkeit kann gefährlich sein, es gibt keine Garantien. Auch schöpfen einige der Akteure massiv Gebühren ab und viele versteuern wenig bis nichts in der Schweiz. Zu Lasten von wem dürfte offensichtlich sein.

Was sollte die Politik machen?

Zurzeit nehmen noch wenige Schweizer Aufträge über Vermittlungsplattformen an und für die meisten ist es überdies ein Zusatzverdienst. Ein Blick auf die Entwicklung anderer Länder in der EU und den USA zeigt: Die Schweiz steht am Anfang der Plattformarbeit. Fragen zur sozialen Absicherung sind noch ungeklärt.

Arbeitnehmer sollten vor Ausbeutung geschützt werden. Niemand will digitale Tagelöhner. Klare Spielregeln bei den Sozialversicherungen sind ebenso nötig wie die Regelungen in steuerlicher Hinsicht, als auch die Minimierung von Schwarzarbeit. In vielen Ländern sehen sich die Vermittlungsplattformen derzeit mit zunehmender Regulierung konfrontiert.

Des Weiteren ist das Risiko von Unterbezahlung in der «gig economy » latent hoch, da die Entlöhnung oft zum Festpreis festgelegt wird und sich andererseits Auftraggeber an Minima orientieren.

Dass wir uns mit der «gig economy » gesellschaftlich und politisch befassen müssen, scheint offensichtlich. Dass dies nicht einfach wird, zeigen die weltweiten Reaktionen beim Fahrdienst Uber, wo die Politik vom totalen Verbot bis zum Laissez-faire alles anzubieten hat.

«Niemand will digitale Tagelöhner. Klare Spielregeln bei den Sozialversicherungen sind ebenso nötig wie die Regelungen in steuerlicher Hinsicht, als auch die Minimierung von Schwarzarbeit.»

Roland Lutz. Eidg, dipl. Wirtschaftsinformatiker und IT-Unternehmer. Politisch engagiert als Einsiedler SVP-Kantonsrat und Erziehungsrat. Hinterfragt immer wieder gerne politische Entwicklungen.

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