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«Sie sind stolz, so viele Stummel zu finden»

«Sie sind stolz, so viele  Stummel zu finden» «Sie sind stolz, so viele  Stummel zu finden»
Viele Zigarettenstummel werden einfach achtlos weggeworfen. Imelda Wyss und ihre Schülerinnen und Schüler der 3.Oberstufe im Schulhaus Furren

Viele Zigarettenstummel werden einfach achtlos weggeworfen. Imelda Wyss und ihre Schülerinnen und Schüler der 3.Oberstufe im Schulhaus Furren haben etwas dagegen unternommen.

WOLFGANG HOLZ

Frau Wyss, Sie und Ihre Klasse haben Zigarettenstummel aufgehoben. Ist das nicht eklig? Wir sind gut ausgerüstet. Alle Schülerinnen und Schüler tragen Einweghandschuhe und eine Hygienemaske. Als Werkzeug haben wir eine Wäscheklammer. Somit müssen wir die Zigarettenstummel nicht mit den Händen berühren. Wenn wir zurück im Schulzimmer sind, waschen wir die Hände gründlich mit Seife und desinfizieren die Wäscheklammern. Warum machen Sie das und wie gehen Sie beim Sammeln vor? Ich möchte die Schüler dafür sensibilisieren, dass Abfall fachgerecht entsorgt werden muss. Die Zigarettenstummel belasten die Umwelt, Kleinkinder und Tiere können sich vergiften, was die Klasse betroffen gemacht hat. Wir beschlossen deshalb, an der Aktion mitzumachen. Ich habe die Klasse in gemischte Vierergruppen eingeteilt, die zugewiesene Bereiche in Einsiedeln säuberten.

Welchen Sinn hat die Aktion?

Die Raucher sollen darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Zigarettenstummel fachgerecht entsorgt werden müssen und nicht auf den Boden gehören. Durch die grosse Anzahl der gefundenen Zigarettenstummel wird die Umweltverschmutzung der Raucher bildlich dargestellt und vielleicht werden einige Raucher dann ihre Stummel nicht mehr mit dem Schuh auf dem Boden zerdrücken und liegen lassen, sondern entsorgen. Wie gefällt dies Ihren Schülern?

Sie finden es toll, dass sie endlich wieder einmal etwas ausserhalb des Schulzimmers machen dürfen. Teilweise sind sie stolz, weil sie viele Zigarettenstummel gesammelt haben. Es gibt einen internen Wettbewerb, wer die meisten Stummel gefunden hat. Wie viele Zigarettenstummel haben Sie denn schon ungefähr aufgehoben? Wir haben sechs Doppellektionen für die Sammelaktion geopfert. Leider hat uns der Schneefall einen Streich gespielt. Entweder waren die Stummel aufgeweicht und kaum aufzuheben oder sie waren durch den Schneepflug schon weggeräumt worden. Wir haben das Klassenziel, dass alle 16 Petflaschen nach dieser Sammelaktion gefüllt sind, nicht erreicht. Eine Schülerin möchte nun alle Zigarettenstummel zählen und die Flaschen damit füllen, damit wir genau wissen, wie viele Stummel wir gefunden haben. Deshalb darf jeder vor der Auszählung schätzen und einen Tipp abgeben. Werden denn in Einsiedeln tatsächlich so viele Zigarettenstummel weggeworfen? Ja. Leider werden auch in Einsiedeln viele Zigarettenstummel auf dem Boden gefunden. Auf dem Bahnhofareal und an der Postautohaltestelle waren die Schülerinnen und Schüler am erfolgreichsten. Was mich persönlich nachdenklich stimmt, wenn ich frühmorgens, um 6.45 Uhr, das Schulareal betrete und dann auf Zigarettenstummel stosse. Bei uns in Einsiedeln herrscht Rauchverbot auf den Schulanlagen, und ich kann es nicht verstehen, dass Bürger von unserem Dorf, die sich nach Schulschluss auf dem Schulgelände aufhalten, die Zigarettenstummel nicht entsorgen. Was machen Sie mit den Kippen?

Wir haben die Zigarettenstummel in 1,5 Liter Petflaschen gefüllt und diese werden wir dann nach Bern an den Organisator dieser Aktion schicken. Dieser wird die gesammelten Zigarettenstummel online präsentieren – im Internet unter www. stop2drop.

Glauben Sie, diese Aktion hat erzieherische Effekte?

Ich hoffe, dass die Jugendlichen rauchende Kollegen, Eltern und Verwandte darauf aufmerksam machen, was ein Zigarettenstummel auf dem Boden alles auslösen kann und den Mut haben, die rauchenden Personen daran zu erinnern, den Zigarettenstummel aufzuheben und in einem Aschenbecher zu entsorgen. Einige Schülerinnen und Schüler haben mir gesagt, dass sie von unserer Sammelaktion zu Hause erzählt haben, und die Eltern die Idee, trotz Schmuddelwetter, gut fanden. Foto: zvg

Imelda Wyss

Jahrgang: 1973 Wohnort: Einsiedeln Beruf: Sekundarlehrerin Hobbys: Jassen, Volonteer bei Biathlonwettkämpfen

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