Veröffentlicht am

«Wir waren wie eine grosse Familie»

«Wir waren wie eine grosse Familie» «Wir waren wie eine grosse Familie»
Der Fanclub von Marcel Fässler unterstützte den Rennfahrer – und hatte selbst immer den Plausch Im letzten Jahr hatte der Fanclub des Grosser

Der Fanclub von Marcel Fässler unterstützte den Rennfahrer – und hatte selbst immer den Plausch

Im letzten Jahr hatte der Fanclub des Grosser Autorennfahrers sein 25-Jahr-Jubiläum. Jetzt nach dem Rücktritt des ersten Schweizer Le-Mans-Champions soll im Herbst noch ein Abschlussfest steigen: Der Schlusspunkt einer wunderbaren Zeit für die vielen Mitglieder.

WOLFGANG HOLZ

«Natürlich ist es aus der Sicht eines Fans schade, dass Marcel Fässler nun nach all seinen erfolgreichen Jahren im Motorsport zurücktritt», verhehlt Sepp Birchler nicht. Seine Wehmut ist verständlich.

Der 34-jährige Einsiedler und Leiter des Passamts in Schwyz waltet seit vier Jahren als Präsident des Fanclubs des Rennfahrers seines Amtes. Seit 2006 ist er im Vereinsvorstand. «Doch aus der Perspektive von Marcel ist es natürlich ein schöner und vor allem richtiger Zeitpunkt, seine Karriere zu beenden und gleichzeitig den Wechsel ins Berufsleben zu vollziehen», sagt Birchler anerkennend.

Gegründet 1996

1996 wurde der Fanclub für den Einsiedler Rennfahrer gegründet. Der Verein zählte in Zeiten von Marcel Fässlers erfolgreicher Ära in der Deutschen-Tourenwagenmeisterschaft, in der er ja zwischen 2000 und 2005 sogar drei Rennen für Mercedes gewann, rund 300 Mitglieder. «Davor und danach waren es stets etwa gegen 100 Vereinszugehörige, der harte Kern», berichtet Birchler. Der grösste Teil der Mitglieder stammt aus der Region Einsiedeln. «Aber es gibt unter uns auch Fans aus der ganzen Schweiz.» Dabei war der Fanclub in den vergangenen Jahren eigentlich immer viel mehr als nur ein Fanclub. «Wir waren wie eine grosse Familie», schwärmt Sepp Birchler. Viele persönliche Kontakte haben sich nicht nur bei den drei bis vier Veranstaltungen pro Jahr entwickelt. Höhepunkt sei stets das Abschlussfest am Ende des Jahres gewesen, bei dem Marcel Fässler anwesend gewesen sei und jeweils einen Bericht über die abgelaufene Saison sowie einen Ausblick auf die kommende Rennzeit gegeben habe. «Hin und wieder war zur Unterhaltung auch ein Referent oder ein Komiker eingeladen», erzählt der Fanclub- Präsident begeistert. Hockenheim, Nürnberg, Monza

Viel gemeinsam erlebt haben die treuen Anhänger von Marcel Fässler nicht zuletzt bei den Fahrten zu den europäischen Rennstrecken, wo der Grosser gerade Gas gab.

«Wir waren mehrere Male in Hockenheim, in Nürnberg, aber auch in Monza», erinnert sich Birchler. Wir haben als Fanclub die gesamte Reise organisiert und sind jeweils mit bis zu 100 Fans in Cars zu den Autorennen gereist, um Marcel Fässler live zu unterstützen. «Das war jedes Mal einfach ein Wahnsinnserlebnis! Bei den Rennen haben wir Marcel dann immer irgendwann für ein gemeinsames Foto getroffen.» Rund 15 solcher Fan-Gruppenreisen wurden organisiert, an denen die Teilnehmer mit eigenen Fan-Regenjacken, Schirmen, Polo-Shirts, Käppli und natürlich mit Plakaten und Schweizerfahnen klar signalisierten, wem ihre Sympathie auf der Rennstrecke gehörte. «Marcel ist ein absolut freundlicher, bodenständiger und offener Mensch», sagt Birchler. Live-Übertragung zu Le Mans

Nur zum Klassiker, nach Le Mans zum 24-Stundenrennen, ist der Einsiedler Fanclub nie gepilgert. Dorthin, wo Marcel Fässler 2011 ja als erster Schweizer das legendäre Langstreckenrennen gewann – und danach noch zwei weitere Male. «Der Ort in Nordwestfrankreich war einfach zu weit weg für eine Car-Gruppenreise an einem Wochenende », sagt Birchler. Aber, der Fanclub hat mehrere Male in einem Einsiedler Lokal eine Live-Übertragung des Langstreckenklassikers organisiert, zu der sich immer viele Fans eingefunden haben. Er selbst aber hat zusammen mit anderen das Rennen in Le Mans auch live besucht – ebenso wie Rennen in Spa sowie später in den USA, in Atlanta und im texanischen Austin. «Wobei für mich der Sieg von Marcel in Le Mans schon der emotionalste Moment als Fan war», versichert Birchler im Nachhinein.

Der Vorstand des Fanclubs informierte die Mitglieder stets per SMS über die Rennresultate von Marcel Fässler. Dass der Grosser Profi-Motorsportler es nie in die Formel 1 geschafft hat, sei für die Fans zweitrangig gewesen.

«Wir haben ihn stets unterstützt und ihm seine Erfolge, die er hatte, gegönnt. Und sein Palmarès bei der DTM und auf den internationalen Langstrecken ist ja wirklich sehr eindrücklich », erklärt der Fanclub- Präsident. Dabei machte es die Fans im und ums Klosterdorf nicht zuletzt auch sehr stolz, «dass er Einsiedeln in die Welt hinausgetragen hat».

Im kommenden September und Oktober will der Fanclub noch mal ein Fest feiern. Wenn Corona es zulässt. «Sozusagen als würdiger Schlusspunkt », meint Sepp Birchler. Sagts und freut sich jetzt schon darauf.

«Er hat Einsiedeln in die Welt hinaus getragen.»

Sepp Birchler, Präsident des Marcel-Fässler-Fanclubs

Unter der Schweizerflagge glücklich vereint: Zahlreiche Fans von Marcel Fässler reisten zu den Rennen nach Hockenheim, Nürnberg und Monza. Fotos: zvg

Sie jubelten mit ihm und drückten ihm die Daumen: die Fans von Marcel Fässler bei Liveübertragungen in einem Einsiedler Lokal.

Der Sieg: Der Le-Mans-Gewinn für Audi mit Marcel Fässler 2011.

Share
LATEST NEWS