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Ein politisches Passionsspiel

Ein politisches  Passionsspiel Ein politisches  Passionsspiel
Einsiedeln. Was würde Jesus im 21. Jahrhundert predigen? Wer wären seine Jünger? Regisseur Milo Rau (Das Kongo Tribunal) kehrt in der süditalienischen

Einsiedeln. Was würde Jesus im 21. Jahrhundert predigen? Wer wären seine Jünger? Regisseur Milo Rau (Das Kongo Tribunal) kehrt in der süditalienischen Stadt Matera zu den Ursprüngen des Evangeliums zurück und inszeniert es als Passionsspiel einer Gesellschaft, die geprägt ist von Unrecht und Ungleichheit. Gemeinsam mit dem Politaktivisten Yvan Sagnet, der Jesus verkörpert, erschafft Rau eine zutiefst biblische Geschichte.

Nach Jesus’ Vorbild kehrt Yvan als «Menschenfischer» in das grösste der Flüchtlingslager bei Matera zurück. Unter den dort Gestrandeten findet er seine «Jünger». Verzweifelte, die über das Mittelmeer nach Europa gekommen sind, um auf den Tomatenfeldern Süditaliens versklavt zu werden, und dort unter unmenschlichen Bedingungen in regelrechten Ghettos hausen – allein in Italien sind das mehr als 500’000 Menschen. Gemeinsam mit ansässigen Kleinbäuerinnen und -bauern begründen sie die «Revolte der Würde» («La Rivolta della Dignità»), eine politische Kampagne, die für die Rechte von Migrantinnen und Migranten kämpft.

«Das Neue Evangelium» spielt in zwei parallelen Welten: Es ist ein echter Aufstand und ein Bibel-Film, er spielt mitten in der Stadt Matera unter Einbeziehung ihrer Bürger – und in den wilden Lagern ringsum, bevölkert von Tausenden Geflüchteten aus Afrika. Eine neue Art von Film entsteht, irgendwo zwischen Fiktion und Dokumentation, ein Evangelium für das 21. Jahrhundert, ein Manifest für die Opfer des westlichen Kapitalismus, dem Papst Franziskus in seinem berühmten ersten Apostolischen Schreiben Ende 2013 bescheinigt hat: «Diese Wirtschaft tötet.»

Samstag und Sonntag, 18 Uhr, Montag 20.15 Uhr. Weitere Daten folgen.

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