Veröffentlicht am

«Wir erleiden grosse Einbussen wegen Corona»

«Wir erleiden grosse  Einbussen wegen Corona» «Wir erleiden grosse  Einbussen wegen Corona»
Fallen auch heuer die Wallfahrten im Kloster Einsiedeln ins Wasser? «Es sind bereits sehr viele Pilgerreisen abgesagt worden», sagt Wallfahrtspater

Fallen auch heuer die Wallfahrten im Kloster Einsiedeln ins Wasser? «Es sind bereits sehr viele Pilgerreisen abgesagt worden», sagt Wallfahrtspater Philipp Steiner: «Jede Absage schmerzt. Die Ausgaben bleiben gleich, die Einnahmen gehen teilweise massiv zurück.»

MAGNUS LEIBUNDGUT

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Ist Maria die Mutter der Hoffnung? Vorsicht ist ein Gebot der Stunde, aber wir brauchen auch eine Perspektive. Wir brauchen Hoffnung, wenn wir nicht einfach nur überleben, sondern wirklich leben wollen. Maria weist uns den Weg zur Hoffnung, die Jesus Christus ist.

Wie sind Sie auf das heurige Wallfahrtsmotto «Maria ist die Mutter der Hoffnung» gekommen?

Papst Franziskus hat im Juni 2020 drei neue Anrufungen in die «Lauretanische Litanei» aufnehmen lassen. Dieses Gebet reicht bis ins Mittelalter zurück und ist eng mit dem italienischen Marienwallfahrtsort Loreto verbunden. Abt Urban wünschte eine dieser drei neuen Anrufungen als Wallfahrtsmotto, und so haben wir «Maria, Mutter der Hoffnung» gewählt. Dieses spricht in die aktuelle Situation hinein.

Besteht Hoffnung, dass in diesem Jahr Wallfahrten im Kloster Einsiedeln über die Bühne gehen können? Es sind bereits einige Wallfahrten über die Bühne gegangen. Am Palmsonntag durften wir die in der Schweiz lebenden Tamilen begrüssen, und am Karfreitag sind die Albaner gekommen. Bei der tamilischen Wallfahrt hat die Organisation tadellos geklappt. Die albanische Wallfahrt hat eine Eigendynamik entwickelt: Neben den fünfzig angemeldeten Personen sind mehrere hundert Albaner spontan nach Einsiedeln gekommen. Da mussten wir den Zutritt zur Klosterkirche zeitweise regulieren. Aber dank dem Einsatz unserer ehrenamtlichen Pilgerbetreuerinnen und unserer Sakristane ist das gut gegangen. Sind denn bereits Wallfahrten abgesagt worden? Ja, und zwar schon sehr viele. Auch wenn wir Verständnis dafür haben: Jede Absage schmerzt natürlich. Aber bei manchen sind wir auch froh. Denn die Albaner- Wallfahrt zeigte, dass eine gute Kommunikation eine Herausforderung darstellt. Die Portugiesen- Wallfahrt findet definitiv nicht statt. Andere kommen in kleineren Delegationen oder warten mit einer definitiven Entscheidung noch etwas. Wir müssen hier flexibel bleiben und sind mit den Organisatoren in ständigem Kontakt. Unsere Mitarbeiterinnen im Wallfahrtsbüro und an der Hofpforte leisten da grossartige Arbeit.

In welchem Rahmen können heuer Wallfahrten durchgeführt werden? Wesentlich ist, dass die Teilnehmerzahl der Wallfahrten den geltenden Vorschriften entspricht und dass die übrigen Schutzbestimmungen eingehalten werden. Es existiert für die Gottesdienste im Kloster ein spezielles Schutzkonzept. Ideal sind Fusswallfahrten, die in dieser Corona- Zeit neu entdeckt werden. So haben sich die Afrikaner entschieden, wie im letzten Jahr zu Fuss von Biberbrugg nach Einsiedeln zu pilgern. Am Sonntag geht die Wallfahrt der Stadt Rapperswil-Jona über die Bühne, eine traditionelle Fusswallfahrt, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Wir hoffen, dass der Mehrwert von Fusswallfahrten erkannt wird und die Menschen auch in Zukunft wieder zu Fuss nach Einsiedeln pilgern.

Die Fahrenden werden sich die Fahrt nach Einsiedeln kaum verbieten lassen. Findet die Wallfahrt der Fahrenden in diesem Jahr statt? Die Wallfahrt der Fahrenden findet heuer definitiv statt. Die Fahrenden kommen ja nicht in grosser Zahl nach Einsiedeln und werden wie gewohnt auf dem Brüel ihr Lager aufschlagen. Wir appellieren hier an die Eigenverantwortung der Beteiligten. Wie schätzen Sie den Verlust ein, der dem Kloster Einsiedeln durch die Corona-Pandemie entsteht?

Wir erleiden grosse Einbussen wegen Corona. Die Ausgaben bleiben gleich, die Einnahmen gehen teilweise massiv zurück. Vor allem im Klosterladen, im Gästebereich und im Weinkeller sind beträchtliche Umsatzeinbussen zu verzeichnen. Weniger stark als befürchtet zurückgegangen sind hingegen die Spenden und die Einnahmen durch die Opferkerzen bei der Schwarzen Madonna. Dies zeigt: Auch in der aktuellen Situation kommen die Menschen in die Klosterkirche, um hier Kraft und Hoffnung zu schöpfen. Kann das Kloster auch von der Härtefallregelung profitieren? In manchen Bereichen wurde Kurzarbeit eingeführt. Von einer Härtefallregelung können wir meines Wissens jedoch nicht profitieren, weil im Gegensatz zu Kulturinstitutionen die Anlässe zwar auf Sparflamme laufen, aber nicht komplett ausgefallen sind. Das Kloster ist zudem ein diversifizierter Betrieb, was Vorund Nachteile hat. Einerseits haben wir dadurch verschiedene Standbeine, und es gibt einen gewissen Ausgleich. Andererseits sprengen wir dadurch die gewohnten Kategorien, und für manche Einbussen erhalten wir keine Unterstützung. Nun steht der Marienmonat Mai vor der Türe: In welchem Rahmen feiert das Kloster Einsiedeln die Mutter Gottes? Jeden Sonntag im Mai findet um 18.30 Uhr in der Klosterkirche eine Maiandacht statt. In den letzten Jahrzehnten sind Maiandachten generell etwas eingeschlafen beziehungsweise aus der Mode geraten. Seit sieben Jahren finden wieder von der Wallfahrtsleitung verantwortete Maiandachten in der Klosterkirche statt, und das Schöne ist: Sie stossen auf grosse Nachfrage.

Ist ein Ende der Corona-Pandemie Ich weiss das zwar nicht, aber ich hoffe es! Dennoch bin ich hier auch Realist: Eine Pandemie betrifft uns alle, und es braucht auch alle, um diese zu beenden. Es geht nicht ohne Solidarität und Verantwortungsbewusstsein. Pandemien hat es in der Vergangenheit schon oft gegeben. Ich halte das Virus deshalb nicht für ein Zeichen der Apokalypse. Aktuell wird im Kloster zum Mittagessen ein Buch über die Spanische Grippe im Jahr 1918 gelesen. Vieles in unserem Umgang mit Covid-19 scheint sich zu wiederholen. Sie haben einen guten Draht zu Maria: Hilft ein Gebet zur Mutter Gottes gegen Corona? Bei Gott ist nichts unmöglich. Zudem ist es sicher hilfreich und gut, ein Anliegen als Gebet zu formulieren, denn wir erkennen neu, dass wir vieles nicht «machen » können. Dieses Unvermögen dürfen wir Gott hinhalten und uns von ihm beschenken lassen. Auch wenn ein Gebet keine Not beendet: Es hilft, einen Weg durch die Not zu gehen.

in Sicht?

Der Wallfahrtspater Philipp Steiner erwartet heuer weniger Wallfahrer und Besucher, die sich auf den Weg zur Schwarzen Madonna in der Gnadenkapelle der Klosterkirche Einsiedeln machen.

Foto: Magnus Leibundgut

Share
LATEST NEWS