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«Ich würde sagen: Es geht uns gut»

«Ich würde sagen: Es geht uns gut» «Ich würde sagen: Es geht uns gut»
Die Einsiedler Krankenkasse kann auf 150 Jahre zurückblicken Im Jubiläumsjahr steht Geschäftsführer Urs Kälin einer gesunden Kasse vor.

Die Einsiedler Krankenkasse kann auf 150 Jahre zurückblicken

Im Jubiläumsjahr steht Geschäftsführer Urs Kälin einer gesunden Kasse vor. Die Zukunft kann sie aus einer Position der Stärke planen.

VICTOR KÄLIN

Wie geht es der Einsiedler Krankenkasse in ihrem 150. Jahr?

Ich würde sagen, es geht ihr gut. Wir schauen, so kundenfreundlich wie möglich zu sein getreu der Devise: Wie können wir es bezahlen, und nicht, wie können wir es nicht bezahlen. Was macht Ihre Kasse zu einer «gesunden, sicheren und soliden Partnerin», wie Sie es zusammen mit Vorstandspräsident Thomas von Rohr im Geschäftsbericht formulieren? Wir bleiben auf dem Boden der Realität. Auch was die Gehälter betrifft. Im Vergleich mit grossen Kassen erhält unser Vorstand ein eher bescheidenes Honorar: 36’000 Franken pro Jahr für fünf Personen. Auch Investitionen versuchen wir lokal und vernünftig zu tätigen. Gibt es etwas, worauf Sie und Ihr Team stolz sein können? Auf unsere sehr treuen Versicherten! Wir haben im Vergleich mit vielen Kassen eine sehr tiefe Fluktuation. Ein weiteres Plus sind Kundennähe sowie kurze Entscheidwege. Wer uns telefoniert, kriegt keine Automatenstimme zu hören, sondern jemanden aus unserem Team. Ebenso stolz bin ich auf unseren guten Vorstand und auf meine gut eingespielten Mitarbeitenden.

Und was verursacht Ihnen eher Sorgen? Die Regulatorien, ganz klar. Was an Anforderungen und Vorschriften anfällt, wird immer umfangreicher und schlägt sich in den Kosten nieder. Meine persönliche Arbeitszeitbelastung alleine für die Einhaltung aller Vorschriften ist seit meinem Antritt vor zwölf Jahren von etwa 20 auf sicher 60 Prozent gestiegen – alles zulasten der Kundenkontakte. Unter dem Strich bringen diese Arbeiten unseren Versicherten nichts. Ausser Kosten. Deshalb müssen wir wachsen, um die Grundauslagen auf mehr Schultern verteilen zu können. Sind 4400 Mitglieder eine Basis für die Zukunft? Ja, es ist eine Basis. Doch aus den erwähnten Gründen müssen wir Jahr für Jahr wachsen. Da passt es aber schlecht, dass im Vorjahr die Zahl der Mitglieder um 50 schrumpfte … Seit vielen Jahren sind wir konstant grösser geworden. Der aktuell leichte Rückgang ist eine Ausnahme, aber kein Indiz für eine Umkehr der Kurve. Müssen Ihre Mitglieder demnächst mit einer Prämienerhöhung rechnen?

Stand heute ist eine verlässliche Aussage unmöglich. Normalerweise entscheiden wir erst im zweiten Halbjahr aufgrund der Erfahrungswerte der ersten sechs Monate. Grundsätzlich versuchen wir, eine Prämienerhöhung zu vermeiden. Im Prinzip ist es aber so, dass es die Versicherten als Leistungsbezüger sind, welche letztlich die Höhe der Prämie vorgeben.

Dank unserer Reserven sind wir aber in der komfortablen Lage, die Höhe der Prämien optimistisch ansetzen zu können. Und sollten wir zu optimistisch sein, hätten wir einen gut gefüllten Rucksack, um einen allfälligen Verlust auffangen zu können. Unser Ziel ist jedoch eine ausgeglichene Rechnung.

Weshalb sollte jemand zur Krankenkasse Einsiedeln wechseln?

Wir sind kundennah, rasch bei der Auszahlung der Rückerstattungen und persönlich für unsere Versicherten da. Wir schätzen es, wenn unsere Mitglieder persönlich bei uns vorbeikommen und ihr Anliegen vorbringen. Und sie schätzen es auch. Jeder wird bei uns gleich behandelt; alle «müssen durch das gleiche Loch». Und wir «ekeln» auch niemanden hinaus zum Beispiel mit verzögerten Rückerstattungen.

Nun ist Ihre Kasse 150 Jahre alt geworden. Wie feiern Sie das Jubiläum? Wollen und Können sind in Corona- Zeiten zweierlei. Wir dachten an eine besonders würdige Generalversammlung mit einem speziellen Präsent für die Teilnehmenden. Doch daraus wird nichts. Wie im Vorjahr findet auch unsere Jubiläumsgeneralversammlung vom Mai leider nur auf schriftlichem Weg statt. Mit erwarteten 200 Personen könnte man zwar tagen, aber an ein Nachtessen ist nicht zu denken. Wir könnten unseren Mitgliedern ja nicht einmal einen Apéro servieren.

Und was ist möglich?

Unserer Sitzbank-Aktion steht nichts im Wege. Wir sponsern den Schwyzer Wanderwegen von Rothenthurm über Einsiedeln bis ins Ybrig verschiedene Rast- und Genussbänke. Und auch Liegestühle werden wir aufstellen für die Beachanlage, die Badi, für Loipenbeizli und Skilifte … Liegestühle für den Winter?

Ja genau. Einen Teil der Liegestühle liefern wir für den Sommer, einen Teil für den Winter.

Und dürfen sich Ihre Kunden und Kundinnen noch weiter freuen? Ja, das dürfen sie. Jede per 31. Dezember des Vorjahres versicherte Person erhält 150 Franken als Rückerstattung – ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener. Das sind doch 670’000 Franken! Diese Auszahlung muss vom Bundesamt für Gesundheit aber erst noch bestätigt werden, was aber Formsache sein dürfte. Es ist ja das dritte Mal in Serie, dass wir unseren Kunden etwas rückvergüten können. Aber so viel gab es noch nie.

Und dann haben wir uns noch etwas anderes ausgedacht, was aber noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Wie wirkt sich das Corona-Virus auf die Gesundheit Ihrer Mitglieder aus? Das ist für mich schwierig zu beurteilen. Als Krankenversicherer erhalten wir von Arzt und Spital lediglich die Zahlen für die Abrechnungen, nicht aber die Diagnosen. Um welche Art von Krankheit es sich handelt, wissen wir Versicherer nicht. Ganz lange Coronafälle mit langer Hospitalisation kann ich für unsere Mitglieder aufgrund der gestellten Rechnungen aber ausschliessen. Wie wirken sich die Corona- Massnahmen auf die Geschäftstätigkeit der Krankenkasse Einsiedeln aus? Corona-Tests und Selbsttests werden über die Krankenkassen abgerechnet. Unsere erbrachten Leistungen können wir quartalsweise zwar beim BAG zurückfordern, nicht aber unseren Arbeitsaufwand. Insgesamt benötigen wir mehr als ein 20-Prozent-Pensum, um all die Abrechnungen zu verarbeiten und die EDV-Anpassungen laufend vorzunehmen. Ich bezeichne das als unseren Beitrag an die Bewältigung der Corona-Pandemie.

Viel Gefreutes, aber auch Sorgen wegen der Regulatorien: Geschäftsführer Urs Kälin.

Foto: Victor Kälin

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