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Kaum Stau trotz Tunnelbau: Schindellegi bleibt im Dilemma

Kaum Stau trotz Tunnelbau:  Schindellegi bleibt im Dilemma Kaum Stau trotz Tunnelbau:  Schindellegi bleibt im Dilemma
Bereits seit mehr als drei Wochen läuft die Sanierung des Strassentunnels in Schindellegi. Der Verkehr staut sich jedoch überraschenderweise

Bereits seit mehr als drei Wochen läuft die Sanierung des Strassentunnels in Schindellegi. Der Verkehr staut sich jedoch überraschenderweise nur wenig mehr als sonst, obwohl zwei von vier Tunnelspuren gesperrt sind.

ANDREAS KNOBEL

Wird eine Strasse saniert, die sonst schon ein Nadelöhr bildet, wirds richtig eng. Als das Baudepartement des Kantons Schwyz ankündigte, den Strassentunnel in Schindellegi komplett zu sanieren, ahnte man Böses: Wenn das nur nicht zum Verkehrskollaps führt … Seit mehr als drei Wochen wird nun im Tunnel Schindellegi gearbeitet. Beton wird ersetzt, ein Korrosionsschutz angebracht, eine Spritzbetonschutzschicht appliziert, die Beschichtung erneuert, die Betriebs- und Sicherheitseinrichtungen bis zur Beleuchtung auf den neuesten Stand gebracht – etwa sieben Monate sollte das alles dauern. Der Deckbelag wird dann im Frühjahr 2022 eingebaut (wir berichteten).

Es läuft fast wie gewohnt Für diese Arbeiten müssen jeweils zwei der vier Spuren im Tunnel gesperrt werden. Zurzeit verengen zwei riesige Bauwände die Durchfahrt zusätzlich. Das Tempo aus Richtung Biberbrugg wurde deshalb schon etwa 150 Meter vor der Tankstelle von 80 auf 60 km/h reduziert. Die nebenliegende Einfahrt ins Dorf wurde mit einem allgemeinen Fahrverbot belegt, Zubringerdienst ist gestattet (siehe Kasten). Auf der anderen Seite wurde der Bypass beim Doppelkreisel gesperrt und zum Baustelleninstallationsplatz umfunktioniert.

Müsste da der Verkehr,der zu Stosszeiten schon ohne Behinderungen stockt, nicht gänzlich zusammenbrechen? Nein, keineswegs, stellt auch Andreas Uhr als Projektleiter der Abteilung Kunstbauten im kantonalen Tiefbauamt fest. Nur vereinzelt staue es sich in den Stosszeiten etwas mehr als gewohnt. Es sei aber erträglich, berichten auch Pendler. Am ehesten sind kleinere Staus morgens von Biberbrugg her und abends von Samstagern her zu beobachten. In der ersten Woche der Bauarbeiten hätten sie noch einen Verkehrsdienst aufgeboten, der beim Kreisel eingreifen könnte, erzählt Andreas Uhr. Diese Leute seien aber gar nie zum Einsatz gekommen und deshalb wieder abgezogen worden.

Verschiedene Ursachen Da stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass der Verkehr bei «halbem Tunneldurchlass» dennoch fast normal fliessen kann. Die Gründe sind vielfältig und nicht in allen Belangen nachvollziehbar.

So hat sicher eine positive Wirkung, dass zu Coronazeiten mit Homeoffice und Kurzarbeit eher weniger Verkehr herrscht. Auch wenn keine Messungen vorgenommen wurden, vermutet Andreas Uhr auch, dass etliche Pendler ihre Startzeiten den Umständen angepasst haben. Zudem ist die Skisaison im Hoch-Ybrig rechtzeitig beendet worden, denn die heimkehrenden Skifahrenden und Ausflügler verursachten meist den grössten Rückstau.

Kreisel und Ampel als Nadelöhr Einen noch grösseren Einfluss auf den weitestgehend flüssigen Verkehr hat aber die Tatsache, dass nicht etwa der Tunnel das Nadelöhr darstellt, sondern der Doppelkreisel und auch die neue Ampel bei der Kühne + Nagel die schwächsten Glieder in der Kette sind. «Viele können nicht wirklich Kreisel fahren», ortet auch Andreas Uhr eine der Ursachen mit einem Schmunzeln. In den Innenkreis einbiegen und blinken beim Abbiegen sind tatsächlich vielen fremd.

So darf erwartet werden, dass auf dieser Strecke auch während der restlichen Bauzeit kein Chaos ausbrechen wird. Zudem werden in etwa sechs Wochen die Bauwände im Tunnel wieder demontiert, erklärt der Projektleiter. Der Verkehr wird in der nächsten Bauphase durch eine Tunnelröhre im Gegenverkehr geführt und die Durchfahrt wird nicht mehr so eng sein. Ohnehin müssten sie bis spätestens Anfang November mit den Arbeiten fertig sein, ist er sich bewusst. Denn dann setze die Kälte ein, und den Tunnel könnten sie schliesslich nur schlecht heizen. Mit der Baufirma wurde deshalb abgemacht, dass die tägliche Arbeitszeit zehn Stunden beträgt und falls notwendig Samstagsarbeiten eingeschoben werden.

Schleich- oder Einkaufsverkehr? Diese Einfahrt rechts weg nach Schindellegi ist zurzeit nicht mehr mit einem allgemeinen Fahrverbot bei erlaubtem Zubringerdienst belegt. Foto: Patrizia Baumgartner

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