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«Die Situation in der Pflege ist dramatisch»

Anlässlich des Tages der Pflege nehmen Schwyzer Parteien Stellung zur Pflegesituation im Kanton. JASMIN REICHLIN Letzten Mittwoch ist der

Anlässlich des Tages der Pflege nehmen Schwyzer Parteien Stellung zur Pflegesituation im Kanton.

JASMIN REICHLIN

Letzten Mittwoch ist der internationale Tag der Pflege über die Bühne gegangen. Wie wichtig ein funktionierendes Pflegesystem ist, zeigt die noch immer andauernde Pandemie.

Der Verband Personal öffentliche Dienste (VPOD) des Kantons Schwyz fordert mehr Gehör für das Gesundheitspersonal. Die Pandemie habe ans Licht gebracht, was schon lange unter der Oberfläche schwelte.

«Das Gesundheitspersonal fordert zu Recht eine Corona- Prämie von einem Monatslohn, mehr Rechte am Arbeitsplatz und bessere Arbeitsbedingungen », so VPOD-Präsidentin Ruth Miksovic in einer Medienmitteilung.

Ein Drittel des Pflegepersonals stammt aus dem Ausland «Die Situation ist dramatisch. Bis ins Jahr 2030 brauchen wir in der Schweiz 65’000 zusätzliche Pflegekräfte», so Karin Schwiter, SP-Parteipräsidentin. Bereits heute müsse mehr als ein Drittel des Pflegepersonals aus dem Ausland rekrutiert werden. «Viel zu viele Ausgebildete verlassen den Pflegeberuf bereits nach wenigen Jahren wieder, weil die Arbeitsbelastung zu hoch, die Arbeitsbedingungen zu schlecht und die Löhne zu tief sind.» «Wir brauchen mehr Ausbildungsplätze, Lohnanpassungen, mehr Personal in den einzelnen Schichten und Einsatzpläne, die den Pflegeberuf besser mit familiären Verpflichtungen vereinbar machen», so Schwiter weiter.

Die Verantwortung, die notwendigen Massnahmen zu ergreifen, liege beim Regierungsrat, da dieser die Leistungsvereinbarungen mit den Spitälern aushandelt und die Bedingungen für Bewilligungen von Altersund Pflegeheimen festlegt.

Auch FDP-Fraktionschef Ivo Husi appelliert, in die Ausbildung von Pflegepersonal zu investieren: «Längerfristig müssen die Institutionen das Pflegepersonal noch mehr selber rekrutieren und entsprechend investieren. » Generell soll das Gesamtpaket des Berufs attraktiver werden. Dies beinhaltet die Ausbildung, mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. «Die Spitäler und viele Pflegeeinrichtungen im Kanton sind unabhängig. Der Kanton gibt einzig die Strategie vor», hält Husi fest. Hinsichtlich der Lohnfrage seien immer auch die Verhältnisse vor Ort entscheidend. Eine globale, einheitliche Lösung bezüglich Lohnfrage sei problematisch.

CVP-Parteipräsident Bruno Beeler sieht Gefahr im Personalmangel: «Können nicht alle Stellen besetzt werden, erhöht das wiederum den Druck auf das restliche Personal.»

Das Klatschen alleine ist nicht genug

«Es gibt Handlungsbedarf, um die Situation in und rund um die Pflege zu verbessern, wenn wir auch in zehn Jahren eine qualitativ gute Pflege haben wollen », so Beeler. «Klatschen alleine reicht nicht.» Die Pflegeinitiative enthalte wesentliche Elemente, die für die Verbesserung nötig seien.

Bruno Beeler betont hierbei die Lohnfrage – dies nicht nur für das Pflege- sondern auch für das Pflegeassistenzpersonal. Der Kanton Schwyz müsse mit den umliegenden Kantonen konkurrenzieren können: «Immer wieder springt uns gutes Personal ab oder lässt sich erst gar nicht anstellen infolge der Lohnfrage», ergänzt Beeler. Auch die Ausbildung müsse stärker gefördert werden und einem guten Standard entsprechen.

«Die Leistungen gleichen einem Triathlon»

GLP-Parteipräsident Lorenz Ilg lobt die Spitäler und Pflegeeinrichtungen. «Die Leistungen gleichen einem Triathlon und dauern weiterhin an.» Der Kanton solle nach der Pandemie seine Vorbereitung und die Engpässe beurteilen und dessen Verbesserung diskutieren, um bei der nächsten Pandemie besser gerüstet zu sein.

Roman Bürgi, SVP-Parteipräsident, nimmt vor allem Bezug auf die Corona-Massnahmen, mit denen das Personal konfrontiert wird, und auf die Unzufriedenheit der Bewohner, welche trotz der Bemühungen, dem entgegenzuwirken, bestehen bleibt. «Das Pflegepersonal kommt an seine Leistungsgrenzen», betont Bürgi. Die Massnahmen seien von den Betroffenen nicht gewünscht.

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