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Der Kiebitz – Künstler der Lüfte in Not

Der Kiebitz – Künstler der Lüfte in Not Der Kiebitz – Künstler der Lüfte in Not
Die letzte Brutsaison der Kiebitze im Nuoler Ried und im Frauenwinkel fiel den Krähen zum Opfer. In diesem Frühjahr sieht es jedoch viel besser

Die letzte Brutsaison der Kiebitze im Nuoler Ried und im Frauenwinkel fiel den Krähen zum Opfer. In diesem Frühjahr sieht es jedoch viel besser aus, 33 Brutpaare wurden entdeckt. Dies ist der Stiftung Frauenwinkel und auch modernster Technik zu verdanken.

MANUELA BRAUCHLI

Jahr für Jahr setzt sich die Stiftung Frauenwinkel im Auftrag des Kantons Schwyz für den Schutz des Kiebitzes ein. Der vom Aussterben bedrohte Watvogel wird als Bodenbrüter mit einer steigenden Anzahl von Räubern konfrontiert und ist bei maschinellen, landwirtschaftlichen Einsätzen zu vielen tödlichen Gefahren ausgesetzt. Ein intensiver Nester- Schutz, die Begleitung der Landwirte bei ihren Arbeiten und neue Massnahmen wecken aber Hoffnung für die laufende Saison. Schutzbedürftiger Bodenbrüter

Wer ihn einmal gehört hat, wird den Ruf des Kiebitzes kaum wieder vergessen. Bereits Mitte März waren dieses Jahr die spektakulären Balzflüge und -rufe der gefährdeten Bodenbrüter zu bestaunen. Als Watvögel brüten die Kiebitze gerne in Riedgebieten und deren Umgebung, so auch in den beiden Naturschutzgebieten Nuoler Ried und Frauenwinkel. Besonders beliebt als Neststandorte sind frisch geschnittene Wiesen und Ackerflächen. Hier hoffen die Kiebitze, einen guten Überblick über ihre Feinde wie Füchse, Marder und Greifvögel zu behalten.

Doch genau hier ist die Gefahr am grössten, weshalb seine Bestände in den letzten Jahrzehnten bedrohlich stark abgenommen haben. Verschiedene landwirtschaftliche, maschinelle Arbeiten während der Brutzeit und der Aufzucht der Jungen sind für die Gelege und die noch nicht flugfähigen Jungvögel tödlich. Weil sie sich bei Gefahr auf ihre hervorragende Tarnung verlassen und sich regungslos auf den Boden ducken und verharren, sind die Jungen für Landwirte kaum erkennbar. Die natürlichen Feinde haben in den letzten Jahren stark zugenommen und sind mitverantwortlich, dass die meisten Jungvögel das Flüggealter nicht erreicht haben.

Tatkräftige Hilfe

Aus dieser Problematik heraus hat der Kanton Schwyz im Jahre 2013 die Stiftung Frauenwinkel mit einem Kiebitzförderprojekt (www.frauenwinkel.ch) beauftragt. Das langfristige Ziel dieses Projektes ist es, durch diverse Schutzmassnahmen die Kolonien der Kiebitze im Nuoler Ried und im Frauenwinkel zu erhalten und zu vergrössern, sodass die Kiebitze ohne menschliche Hilfe ihr Revier verteidigen und die Verluste durch Räuber verkraften können. Ein Team aus Praktikantinnen und Praktikanten, Zivildienstleistenden, Freiwilligen und neu mit Mitgliedern von Pro Buechberg beobachtet jährlich die Populationen und den Bruterfolg intensiv. In enger Zusammenarbeit mit den Landwirten werden die Nester vor jedem landwirtschaftlichen Einsatz abgedeckt, damit sie nicht unter die Traktorräder und in die Maschinen geraten. Zum Schutz vor Bodenräubern werden bis zu sieben Kilometer Elektrozäune um die entdeckten Nester aufgestellt, die regelmässig ausgemäht und kontrolliert werden müssen. Die Landwirte melden ihre Einsätze rechtzeitig an, was dem Einsatzteam erlaubt, die gefährdeten frisch geschlüpften Jungvögel kurzzeitig einzufangen und anschliessend sofort wieder freizulassen, oder die älteren Jungvögel aus dem Gefahrenbereich zu treiben.

Eine enge Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Betreuungsteam ist der Schlüssel zum Erfolg – ein grosses Dankeschön an die Landwirte für ihr Mitmachen! Dank diesen Massnahmen haben die Populationen an beiden Standorten wieder stark zugenommen – von anfänglich insgesamt drei zu mittlerweile 32 Brutpaaren.

Schwache Saison 2020 Trotz des Aufwärtstrends sind jährliche Schwankungen wahrzunehmen. Im Jahr 2020 musste aufgrund von ungünstigen Wetterbedingungen und einer stärker werdenden Krähenpopulation ein Einbruch verzeichnet werden. Den schlauen Rabenkrähen fielen letztes Jahr überdurchschnittlich viele Eier zum Opfer. Geringe Nahrungsverfügbarkeit aufgrund der starken Trockenheit und eiskalte Nächte machten den frisch geschlüpften, sehr sensiblen Küken stark zu schaffen. Ende Saison 2020 konnten trotz grossem Aufwand insgesamt nur neun flügge Jungvögel verzeichnet werden. Mit Zuversicht in neue Saison

Um der Krähenproblematik entgegenzuwirken, wurde erstmals eine akustische Krähenabwehr installiert, welche die schlauen Vögel in einem Umkreis von 250 Metern fernhält. Mit falschen Lockmarkierungen sollen die Krähen zudem verwirrt werden.

Auch die Wetterbedingungen scheinen bisher zugunsten des Kiebitzes auszufallen. Sonnige Tage gefolgt von genügend Regenschauern bilden ideale Voraussetzungen für die Bodenlebewesen, welche von den Kiebitzen verspeist werden. Dies lässt auf einen höheren Bruterfolg der laufenden Saison hoffen, was die bisherigen Beobachtungen bestätigen.

Insgesamt wurden 33 Brutpaare ausfindig gemacht, von welchen jeweils ein Nest mit drei bis vier Eiern gefunden wurde. Zwölf Familien im Nuoler Ried und sieben Familien im Frauenwinkel wurden bisher gesichtet. Obwohl teilweise nur noch ein Küken pro Familie überlebt hat, sind dies im Vergleich zum letzten Jahr erfreuliche Zahlen; für den Erhalt der Population ist ein Bruterfolg von 0,8 Küken pro Brutpaar notwendig. Für offizielle Aussagen ist es allerdings noch zu früh, da die Brut aufgrund von Nachgelegen bis Mitte Juli andauern kann.

Der Kiebitz verbringt den Winter im Mittelmeerraum und kommt nur für die Brut in den Norden. Sobald die Jungvögel flügge werden, ziehen sie in die Wärme. Die farbigen Watvögel werden das Kiebitzteam also noch eine Weile auf Trab halten und hoffentlich im nächsten Jahr in verstärkter Kolonie zurückkehren.

Trotz Subventionen von Bund und Kanton bleiben der Stiftung Frauenwinkel beachtliche Restkosten. Man ist deshalb dringend auf weitere Unterstützung angewiesen. Bankverbindung: IBAN CH12 0077 7004 7425 5454 9

Kommt ein Raubvogel in die Nähe, steigen die Kiebitze auf und versuchen, den Räuber mutig abzuwehren.

Foto: Max Robinson

Nach aufwendiger Suche werden die Küken in Sicherheit genommen und nach dem Maschineneinsatz sofort wieder freigelassen.

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