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Interview «Fahrende»

Radio DRS, 22. Mai, 13 Uhr Fahrende, die keine Standplätze mehr finden, doppelt heimatlos sind und Fahrende, welche jedes Jahr von unserem

Radio DRS, 22. Mai, 13 Uhr

Fahrende, die keine Standplätze mehr finden, doppelt heimatlos sind und Fahrende, welche jedes Jahr von unserem Kloster Einsiedeln und vom Bezirk grosse, geräumige Abstellstandplätze erhalten. So finde ich, dass auch Radio DRS und der Befragte, ein Fahrender, der sich um die Bereiche dieser Menschen kümmert, selbst jedoch als «Jenischer» in Basel sesshaft ist.

Ich könnte aus meinen langen Jahren als sogenannte Geschäftsfrau vieles von diesen Menschen erzählen. Und da ich stolze «Firmgotte» von zwei jenischen Mädchen bin und diese lange Jahre mit mir verbunden waren, hatte ich wenigstens in einer kurzen Zeit einiges mit jenischen Menschen erlebt: Taufen und Hochzeiten im Kloster Einsiedeln, respektive in der Katholischen Kirche, frohe, singende und lachende Menschen. Der Pater (jenisch?) wandert in der Gruppe umher, liest im Kirchenschiff, segnet, tauft, verheiratet die Menschen auch in der Kirche. Sie laufen in der Gruppe umher, freuen sich, umarmen sich, lachen, weinen. Und ich einsamer Zuschauer, Zuhörer sitze gerührt und tränenüberströmt einige Bankreihen hinter ihnen.

Ich habe noch sehr viele solcher wunderbaren Begegnungen mit jenischen Menschen in meiner Erinnerung. Nur noch kurz ein Erlebnis ganz im Süden von Indien, da wo der riesige Ganges im Meer landet. Etwas in der Höhe liegt ein langer, kahler Hügelzug mit hunderten von braunen Hütten. Trostlos und traurig ist der Anblick. Die Erklärung meines indischen Begleiters: «Das da sind keine Menschen, das sind Zigeuner.» Vom Staat eingesammelt, ihrer Würde und ihrer Kultur beraubt».

Susi Birchler (Einsiedeln)

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