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Was bringt es, die Wetterprognosen zu studieren?

Eigentlich ist mir das Wetter schnurz. Aber in diesen wechselhaften Zeiten, in denen man sich nicht mehr einfach darauf verlassen kann, dass

Eigentlich ist mir das Wetter schnurz. Aber in diesen wechselhaften Zeiten, in denen man sich nicht mehr einfach darauf verlassen kann, dass es warm ist oder länger am Stück die Sonne scheint, habe ich angefangen, im Internet nachzuschauen, was denn wohl wann für ein Wetter zu erwarten ist. Denn auch wenn man das Wetter natürlich nicht ändern kann – es gibt wohl wenig auf dieser Welt, was alle Menschen derart persönlich betrifft wie das Wetter. Sprich: Ob man nass wird oder nicht. Ich gehe dafür nicht auf spezielle Apps, um zu checken, obs regnet oder nicht, sondern begnüge mich damit, bei SRF-Meteo im Internet nachzuschauen. Normalerweise sind diese Vorhersagen sehr verlässlich, aber in solch Jetstream turbulenten Zeiten wie momentan, in denen ein Tiefdruckgebiet das andere am Himmel jagt, scheint es selbst für richtige Wetterfrösche immer schwieriger zu sein, zu prophezeien, ob es demnächst regnet oder nicht. Denn neulich, als ich schon in der Küche vor lauter Vorfreude aufs Tennis Rückhandslices in die Luft schnitt, entschied ich mich, die Probe aufs Exempel zu wagen. Zwar hingen am Himmel draussen richtig graue, landregenschwere Wolken, doch just für die anvisierte Tennisstunde lugte auf dem Smartphone die Sonne hervor. Ich wurde pitschepatschenass und am Ende trocknete ich in der Herren- Umkleide des Klubs mit dem Fön meine Hosen. Geärgert habe ich mich danach schon, dass die Vorhersage im Internet nicht aktualisiert worden war. Dafür hat mir mein Tenniskollege nun seine «absolut verlässliche» Regenradar- Adresse verraten.

Es ist für mich erstaunlich, wie das Wetter nicht nur die öffentliche, sondern auch die private Kommunikation dominieren kann. Man könnte meinen, wir Schweizer und Schwyzer und Einsiedler würden alle draussen arbeiten, im Strassengraben, auf den Feldern oder hinten auf dem Güselwagen und abends würden wir uns im Zelt oder in einer Höhle verkriechen in der Hoffnung, es möge nicht «chuuten».

Dabei sind wir im 21. Jahrhundert so weit von Wetter und Natur entfernt, dass wir tatsächlich meinen, die Milch komme aus der Tüte. Letztmals die Wetterprognosen studiert habe ich vor Jahrzehnten als Pfadileiter. Seither übe ich mich darin, die Vorhersagen zu umgehen.

Wer wie ich täglich mit dem Velo zur Arbeit fährt, schläft besser in der Hoffnung auf trockenes Wetter, als im Wissen, dass es regnet. Es gehört zu meinem Arbeitsweg, regelmässig nass zu werden. Ich habe mich daran gewöhnt, weil es einfach so und auch nicht schlimm ist (mit Ausnahme der Spritzer auf der Brille. Die kann ich noch immer nicht leiden).

Zu wissen, wie das Wetter wird, bringt ausser schlechter Laune meistens nichts Substanzielles. Und als ich letzthin für einen Zeitungsbeitrag wieder einmal die Prognosen studierte, da meldete der eine Wetterdienst durchgehend schönes Wetter für den heutigen Tag und der andere durchgehend Niederschlag. Beide waren so richtig wie falsch: Bis am Mittag regnete es und bis zum Abend blieb es anschliessend trocken.

Und ich habe beschlossen, mich jeden Morgen weiterhin vom Wetter überraschen zu lassen. Auf ewig.

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