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17 Tote in den letzten 16 Jahren

17 Tote in den letzten 16 Jahren 17 Tote in den letzten 16 Jahren
SAC-Zahlen zu den tödlichen Unfällen am Grossen Mythen WOLFGANG HOLZ Noch immer schockiert die Nachricht von dem Tod des 57-jährigen

SAC-Zahlen zu den tödlichen Unfällen am Grossen Mythen

WOLFGANG HOLZ

Noch immer schockiert die Nachricht von dem Tod des 57-jährigen Bergsteigers aus Gersau, der vor einer Woche sein Leben am Grossen Mythen verlor. Und das, obwohl er ein absoluter Routinier war und den Berg schon mehr als 100 Mal bestiegen hatte.

«Nachricht hat uns sehr getroffen»

«Durch einen tragischen Unfall hat er sein Leben viel zu früh auf seinem geliebten Mythen verloren », heisst es in der Todesanzeige der Familienangehörigen. Aber war es nur tragisch? Oder ist der Grosse Mythen beziehungsweise ist das Mythen-Massiv einfach tatsächlich sehr gefährlich? Fakt ist: Der 57-Jährige ist nicht das einzige Todesopfer, das in den letzten Jahren zu beklagen war.

Matterhorn hat meiste Tote

Fabienne Bögli, Bereichsleiterin Kommunikation beim Schweizer Alpen-Club (SAC), erklärt auf Anfrage unserer Zeitung. «Unser Auszug für die Jahre 2004–2020 ergibt folgendes Bild: Insgesamt gab es 17 Tote am Grossen Mythen in diesem Zeitraum.» Also, quasi in jedem Jahr ein Todesopfer. Zum Vergeich im selben Zeitraum: Insgesamt 60 Personen stürzten am Matterhorn in den Tod. «Am Matterhorn gibt es am meisten tödliche Unfälle», sagt Bögli.

Gleichzeitig relativiert die SAC-Kommunikationsbeauftragte: Unfälle in den Bergen seien eben sehr stark abhängig von den Begehungszahlen. Und der Mythen ist ein stark frequentierter Berg, wie Alpinisten aus der Region bestätigt haben (EA 42/2021). «Nur aufgrund der Anzahl Toten kann kein Risiko für die einzelne Person errechnet werden. Wir führen auch keine Berg-Todesfall-Hitliste », so Fabienne Bögli.

Unfall hat niemand gesehen

«Weshalb der erfahrene Berggänger vom Mythenweg abkam und 400 Meter in die Tiefe stürzte, konnte nicht abschliessend geklärt werden», sagt Florian Grossmann, Mediensprecher der Kantonspolizei Schwyz. «Gemäss unseren Ermittlungen gibt es eben keine Personen, welche den Unfall gesehen haben.» «Berg, der süchtig macht»

«Die Nachricht vom tragischen Tod unseres lieben Freundes am Grossen Mythen hat uns sehr getroffen», so trauern die «100er-Club»-Freunde des Verstorbenen in ihrem Abschied. Apropos «100er-Club». Beitreten darf dem Club nur, wer den Grossen Mythen 100 Mal pro Saison besteigt und dies jedes Jahr. Armin Schelbert, das mittlerweile einzige Mitglied im «100er-Club», tut dies mit einer an Sturheit grenzenden Regelmässigkeit seit 1999 und spricht von einem «Berg, der süchtig macht». Ein Geheimtipp sei der Grosse Mythen mit seinen 1898 Metern Höhe allerdings nicht mehr.

«Rund 30’000 Menschen erweisen ihm alljährlich ihre Reverenz. An makellosen Tagen tummeln sich bis zu 2000 Leute am Berg, der wie kein anderer die Region prägt und daher als Wahrzeichen gilt», so Schelbert. Der Kleine Mythen mit 1811 Metern Höhe sei als Kletterberg geübten Alpinisten vorbehalten.

Der Mythen fordert jedes Jahr seine Opfer. Doch wie gefährlich ist der Berg wirklich? Das fragt man sich nach dem jüngsten tödlichen Absturz eines einheimischen Bergsteigers. Zahlen des SAC liefern gewisse Hinweise.

Der Weg auf den Grossen Mythen, von dem der 57-jährige Gersauer jüngst abgestürzt und tödlich verunglückt ist. Foto: zvg

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