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Das Kett soll als Lebensraum für Tiere aufgewertet werden

Das Kett soll als Lebensraum für Tiere   aufgewertet werden Das Kett soll als Lebensraum für Tiere   aufgewertet werden
Ein Jahr Zeit haben die Betreiber der Kleinwasserkraftwerke Grotzenmühle und Schöngarn, um aufzuzeigen, wie die freie Fischwanderung im Kett

Ein Jahr Zeit haben die Betreiber der Kleinwasserkraftwerke Grotzenmühle und Schöngarn, um aufzuzeigen, wie die freie Fischwanderung im Kett ermöglicht werden kann.

VICTOR KÄLIN

Mitte Mai haben die beiden Kleinwasserkraftwerke Grotzenmühle und Schöngarn Post vom kantonalen Amt für Gewässer erhalten. Mit der sogenannten Sanierungsverfügung werden die Betreiber verpflichtet, «mögliche Sanierungsmassnahmen zur Wiederherstellung der freien Fischwanderung zu planen». Betroffen von dieser Verfügung ist das Kett, ein rund 1,5 Kilometer langer Industriekanal, der 1686 für den Betrieb der Grotzenmühle errichtet worden ist. Bis 1918 wurde dort ein Mühlerad angetrieben; seither ist es eine Turbine. Und seit dem Jahr 2013 nutzt auch das Kleinwasserkraftwerk Schöngarn das Wasser des Ketts. Während die Grotzenmühle rund 100’000 Kilowattstunden jährlich produziert, liefert das Werk Schöngarn aufgrund des höheren Gefälles im Schnitt gegen 170’000 Kilowattstunden.

Anordnung und Ausnahmen Eine Begehung im Jahr 2018 hat ergeben, dass bei vier der insgesamt fünf Anlageteile des Ketts der Fischschutz, und insbesondere der Fischaufstieg und der Fischabstieg, nicht oder nur ungenügend gewährleistet ist.

Gemäss Bundesgesetz über die Fischerei müssen jedoch alle Hindernisse, die die Fischwanderung wesentlich beeinträchtigen, saniert werden. Allerdings sieht das Gesetz auch Ausnahmen vor: Sofern die Sanierungsmassnahmen weder verhältnismässig noch finanzierbar sind, können die betroffenen Anlageteile aus der Pflicht entlassen werden (siehe Kasten).

Kanal und Lebensraum Wieweit das Kett unter dem Aspekt der Verhältnismässigkeit sanierungsfähig ist, wird sich im Sanierungsbericht aufgrund des Variantenstudiums bis in einem Jahr weisen. Wo der Hebel angesetzt werden muss, wird in der Verfügung detailliert festgehalten: Der Rütiweiher, das Wehr Glattli, die beiden Kraftwerkstufen sowie die Maschinenhäuser Grotzenmühle und Schöngarn werden als «Wanderhindernis» für Fische eingestuft und gelten als sanierungspflichtig.

Idealerweise soll das gesamte Kett von der Wasserentnahme in der Rüti bis zum Rückfluss in die Alp auf der Höhe der neuen Fussgängerbrücke bei der Überbauung Obere Allmeind in beiden Fliessrichtungen fischgängig werden. Gemäss Sanierungsverfügung ist das Kett eben nicht nur ein künstlich erstelltes Gewässer zum Betrieb der beiden Kraftwerke, sondern auch ein Lebensraum für Bachforelle und Groppe. Die Kosten für die Planung, eine allfällige Realisation sowie die Wirkungskontrolle werden den beiden Betreibern durch den Bund entschädigt.

Hier wird der Alp das Wasser entnommen: Grotzenmüller Thomas Anderes auf der Ausleitung «Kalberweidli».

Fotos: Victor Kälin

Um die Fischgängigkeit zu gewähren, muss gemäss Amt für Gewässer die Ausleitung im Rütiweiher (links) saniert werden.

Im «Glattli» kreuzen sich das Kett (von links) und der vom Trachslauer Weiher her kommende Aubach (Bildmitte). Im Bildvordergrund stürzt der Aubach über ein kleines Wehr, um weiter in Richtung Alp zu fliessen. Rechts am Rand läuft das Kett – für kurze Zeit – eingedohlt weiter.

Das Kett ist ein Industriekanal, kurz vor der Grotzenmühle ist er in Blech gefasst.

Rechenreiniger und Überlauf des Oberwasserkanals bei der Grotzenmühle.

Schematische Darstellung des Wasserlaufs durch die Grotzenmühle. Links fliesst das Wasser zur Turbine, rechts fliesst es zuerst via Unterwasserkanal und dann oberirdisch in Richtung Dorfkern weiter.

Die Turbine des Kleinwasserkraftwerks Schöngarn liegt mitten in der Siedlung Obere Allmeind. Links unter dem Bogen zu erkennen ist der Ausgang des Überlaufs, rechts das Kleinkraftwerk.

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