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Heilpädagogisches Zentrum Ausserschwyz feiert seinen 50. Geburtstag

Heilpädagogisches Zentrum Ausserschwyz  feiert seinen 50. Geburtstag Heilpädagogisches Zentrum Ausserschwyz  feiert seinen 50. Geburtstag
1971 wurde in Freienbach die zweite Sonderschule des Kantons eröffnet, damals mit 20 Schülern. Heute, 50 Jahre später, besuchen über 100

1971 wurde in Freienbach die zweite Sonderschule des Kantons eröffnet, damals mit 20 Schülern. Heute, 50 Jahre später, besuchen über 100 Schülerinnen und Schüler das Heilpädagogische Zentrum Ausserschwyz.

IRENE LUSTENBERGER

Im Jahr 1971 startete die Sonderschule als Schulversuch mit 20 geistig behinderten Kindern, die zu Beginn im evangelisch-reformierten Kirchgemeindehaus und danach an der Kantonsstrasse 136 in Freienbach unterrichtet wurden. Die Schülerzahlen stiegen stetig, und es wurden auch zunehmend Kinder mit Mehrfachbehinderung aufgenommen. Deshalb war ein Neubau nötig, der im Mai 2000 eingeweiht wurde. Nach mehreren Namenswechseln heisst die Schule heute Heilpädagogisches Zentrum Ausserschwyz HZA. Über 100 geistig und mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche aus den Bezirken March, Höfe, Einsiedeln und den Gemeinden Alpthal, Unterund Oberiberg werden unterrichtet, und rund 100 Mitarbeiter – die meisten in Teilzeit – sind an der HZA beschäftigt.

Ein Rückblick Vor der Eröffnung der Sonderschule im Jahr 1971 mussten Kinder, denen die Voraussetzungen für den Besuch der Hilfsschule (heute Kleinklasse) fehlten, in ausserkantonalen Institutionen beschult werden. Der damalige Freienbacher Schulpräsident Viktor Halter erkannte diesen Mangel und setzte alle Hebel in Bewegung, um diese Lücke zu schliessen. Er reiste deshalb nach Bern und verhandelte mit den Instanzen der Invalidenversicherung.

Der Kanton bewilligt diese Schulform als Versuch. Die Gemeinde Freienbach wird Trägerin und stellt die Räumlichkeiten bereit. Am 26. April 1971 startet die heilpädagogische Schule im evangelischen Kirchgemeindehaus in Pfäffikon. Dies, weil der vorgesehene Pavillon in Freienbach nicht rechtzeitig geliefert werden konnte. Die 20 Kinder werden in zwei Klassen von Vreni Suter und Hildegard Bereuter unterrichtet. Am 7. Juli werden die Fertigelemente des Pavillons angeliefert und auf den vorbereiteten Fundamenten zusammengesetzt. Nach den Sommerferien beziehen die Schüler das neue Schulhaus an der Kantonsstrasse 136 in Freienbach. 1973 wird eine dritte Klasse eröffnet. Kanton übernimmt die Schule

1974 übernimmt der Kanton Schwyz gemäss Volksschulverordnung die Führung der Sonderschule. Die vom Erziehungsrat gewählte Sonderschulkommission regelt die strategische Führung und unterstützt die Schulleitung operativ. Die Gemeinde Freienbach bleibt Eigentümerin der Liegenschaft. Die Schule nennt sich Sonderschule Ausserschwyz (SoSA).

Am 8. Dezember 1974 genehmigen die Freienbacher Stimmbürger einen Kredit von rund 1,1 Millionen Franken für den Bau der Sonderschule. Ein separater Vertrag vom 14. August 1975 regelt das Mietverhältnis mit dem Kanton. Am 18. August 1976 beziehen 55 Schüler, 6 Lehrpersonen und 1 Logopädin das neue Schulhaus in Freienbach. Es werden sechs Klassen mit praktisch- respektive schulbildungsfähigen Kindern geführt. 1979 kommt eine siebte Klasse hinzu. Am 10-Jahr-Jubiläum der Sonderschule Ausserschwyz besuchen 48 Kinder den Unterricht.

1990 wird das Schulangebot um den Vorschulbereich ergänzt. Gleichzeitig bewilligt der Erziehungsrat einen befristeten Schulversuch zur Integration einer Schülerin mit einer schweren Mehrfachbehinderung. Das Angebot wird nach drei Jahren aus finanziellen Gründen nicht weitergeführt. Unter dem Motto «Ein wohlgeratenes Kind wird zwanzig» wird 1991 der 20. Geburtstag der Schule gefeiert. Die 40 Kinder kosten pro Jahr rund eine Million. Der Bund finanziert die Hälfte, der Kanton und die Gemeinden den Rest.

Ab 1997 Integrierte Sonderschulung Das Jubiläum «25 Jahre Sonderschule Ausserschwyz» wird mit verschiedenen Anlässen gefeiert. Die Gesamtschülerzahl beläuft sich 1996 auf 49 Schüler (28 schulbildungsfähige und 21 praktischbildungsfähige) in acht Klassen.

1997 wird der Verein «Freunde und Gönner der Sonderschule » gegründet. Die erste Integrierte Sonderschulung wird bewilligt und im Bezirk March durchgeführt. Diese Pionierleistung wird von der IV unterstützt. Die steigenden Schülerzahlen und die zukünftige Aufnahme von Schülern mit Mehrfachbehinderungen machen die Planung eines Neubaus notwendig.

Im September 1998 wird der Pavillon abgerissen und an seiner Stelle ein Neubau mit Klassenzimmern, Essraum, Schulküche und Gruppenräumen errichtet. Während der Bauphase sind einige Schulklassen in den Primarschulhäusern Schwerzi und Bollenweid einquartiert.

Ab 1999 Schüler mit Mehrfachbehinderung 1999 ändert der Erziehungsrat den Auftrag der Sonderschulen: Der erste Schüler mit einer Mehrfachbehinderung kann in Freienbach aufgenommen werden. Im Mai 2000 wird der Neubau eingeweiht. Zum gleichen Zeitpunkt ist die Renovation des Hauptgebäudes abgeschlossen. Ihren Farben entsprechend werden die beiden Häuser Sonne und Mond genannt. Gleichzeitig erhält die Schule ihren neuen Namen – Heilpädagogische Tagesschule Ausserschwyz (HTA) – und ein neues Logo mit Sonne und Mond.

In den folgenden Jahren steigen die Schülerzahlen stetig, was zu grösserem Raumbedarf führt. 2007 vermietet die Gemeinde Freienbach dem Kanton das Schulhaus Bollenweid. Nach baulichen Anpassungen kann die HTA dieses für Klassenzimmer, Essraum, Therapie- und Spezialräume nutzen. Durch die Departementsreform wird die HTA 2008 dem Amt für Volksschule und Sport (AVS) unterstellt. Die Sonderschulkommission wird aufgelöst, und ihre Aufgaben werden vom AVS und dem Erziehungsrat übernommen. Gleichzeitig wird die Bezeichnung in «Heilpädagogisches Zentrum Ausserschwyz» (HZA) geändert. Die Schule wird in zwei Bereiche gegliedert: Tagesschule und Integrierte Sonderschulung (siehe Box).

40 Jahre nach der Gründung – also im Jahr 2011 – gehören 120 Schülerinnen und Schüler zum HZA. 80 Kinder und Jugendliche besuchen die Tagesschule in Freienbach, 15 davon haben eine Mehrfachbehinderung. 40 Kinder werden integrativ in den Regelschulen der Gemeinden unterrichtet. Vermehrt Kinder mit Autismus

Nicole Giesecke ist seit zwei Jahren Rektorin des HZA. Im kommenden Schuljahr werden 63 Schüler und Schülerinnen die Tagesschule besuchen, 41 werden integrativ in der Regelschule unterrichtet. Weitere zwölf Schüler besuchen das neue Fachzentrum IS/ASS (Autismus- Spektrum-Störung). «Seit 2015 haben wir auffällig viele Kinder mit Autismus», so Giesecke. Vorher seien es vorwiegend Kinder mit Down-Syndrom oder mehrfacher Behinderung gewesen. Zurzeit seien am HZA (inklusive IS) 100 Mitarbeiter beschäftigt, die meisten in Teilzeit. Dazu gehören Schulleitung, Sekretariat, Heilpädagoginnen, Klassenassistenten, Therapeutinnen, Fachlehrpersonen, Mittagsbetreuer, Schulsozialarbeiter, Hauswartung und Fahrdienst.

Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums war ein grosses Fest geplant. «Wir wollten am 12. Juni mit der Bevölkerung und der Öffentlichkeit feiern», sagt Lora Ruoss, stellvertretende Rektorin und Schulleiterin IS. Ende letzten Jahres habe das OK entschieden, das Fest abzusagen und kleinere Anlässe durchzuführen. «Die aktuelle Situation liess nur die Zirkusprojektwoche mit dem Zirkus Luna im Juni zu, und deshalb planten wir spontane Aktionen für die Schüler», führt Ruoss aus.

Nun geniessen die Mitarbeiter und die Schüler der HZA ihre Sommerferien. Danach geht es voller Elan ins neue Schuljahr. Auf die Herausforderungen angesprochen, sagt Nicole Giesecke: «Unser Alltag ist ein Projekt, und bei uns ist jeder Tag eine neue Herausforderung.»

Das heutige Heilpädagogische Zentrum Ausserschwyz. Fotos: Irene Lustenberger

Rektorin Nicole Giesecke (links) und Lora Ruoss, Stellvertreterin und Schulleiterin Integrierte Sonderschulung IS.

Im Jubiläumsjahr musste zwar die offizielle Feier abgesagt werden; doch das neue Bodentrampolin wurde geliefert.

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