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Nicht ganz alltäglicher Alltag

Nicht ganz alltäglicher Alltag Nicht ganz alltäglicher Alltag
Wenn ich gefragt werde «Ja, wie ist denn nun Kuala Lumpur?» ist diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten. Malaysia ist ein Land, in welchem

BRIEF AUS MALAYSIA

Wenn ich gefragt werde «Ja, wie ist denn nun Kuala Lumpur?» ist diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten. Malaysia ist ein Land, in welchem dutzende Kulturen, Ethnien, Religionen und Nationalitäten verschmelzen. So sassen wir am Wochenende bei einem Brunch zusammen und stellten fest, dass am Tisch ganze acht Sprachen gesprochen werden. Genauso vielseitig ist die Bevölkerung des Landes. Ethnische Malaien, Chinesen und Inder stellen die grössten Bevölkerungsgruppen. Daneben leben aber auch die indigenen Völker der Orang-Asli und der Dayak noch immer in den tropischen Regenwäldern Malaysias.

Diese Vielfalt äussert sich in ganz vielen Bereichen des Lebens. So war der erwähnte Brunch auch nicht von der Sorte Kaffee, Rührei und Butterzopf. Nach chinesischer Art gibt es zum Brunch nämlich Dim Sum – ein Gericht bestehend aus fluffigen Teigtaschen mit Fleischfüllung, Meeresfrüchten, Sushi-ähnlichen Häppchen und chinesischen Süssgebäcken. Gewöhnungsbedürftig für ein Frühstück, aber absolut schmackhaft.Auch bei der Fruchtauswahl im Supermarkt ist man als Europäer schnell mal überfordert: Mangosteen, Rambutan, Longan oder Dragonfruit sagen wohl den wenigsten Schweizern etwas. Überrascht wird dabei, wer zum sogenannten «König der Früchte» greift. Die Durian ist nämlich nicht nur für ihren Geschmack, sondern speziell auch für ihren Gestank bekannt. So darf die Frucht gemäss unseren Hausregeln – kein Witz – nur an der frischen Luft genossen werden. Für mich persönlich ist die Durian, im Gegensatz zu den anderen Früchten, allerdings nicht wirklich ein Genuss.

Ansonsten sind die Tage aufgrund des anhaltenden Lockdowns noch immer sehr ruhig – da bleibt zumindest genügend Zeit für Gesellschaftsspiele. Ein Spiel, welches ich zuvor noch nicht kannte, lautet Go. Das Brettspiel stammt ursprünglich aus China und scheint eigentlich sehr simpel. Ziel ist es, mit seinen Steinen einen möglichst grossen Anteil des Brettes zu kontrollieren. Beginnt man allerdings zu spielen, merkt man schnell, dass die Strategie dahinter äusserst komplex ist. Während es beim Schach beispielsweise 20 mögliche Eröffnungszüge gibt, sind dies bei Go ganze 361 mögliche erste Züge. Da kann einem am Abend schnell einmal der Schädel brummen.

Geniesst man zur Erholung den Sonnenuntergang auf einer der vielen Dachterrassen der Stadt, bemerkt man eine weitere Besonderheit des Landes. Während in der Schweiz nämlich die Kirchglocken das Ende des Tages einläuten, durchdringt in Kuala Lumpur das muslimische Abendgebet die ganze Stadt.

Ramon Zehnder *

Der Einsiedler Ramon Zehnder (23) absolviert zwischen Juli 2021 und Ende Juni 2022 auf der Schweizer Botschaft in Malaysia in Kuala Lumpur ein Hochschulpraktikum. Für den Einsiedler Anzeiger wird er in regelmässigen Abständen über seine Erlebnisse berichten.

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