Veröffentlicht am

«Freude am Fussball das Wichtigste»

«Freude am Fussball das Wichtigste» «Freude am Fussball das Wichtigste»
Damenobfrau Cornelia Birchler über den Frauenfussball beim FC Einsiedeln Beim FC Einsiedeln tut sich momentan einiges im Damenfussball. Zwar

Damenobfrau Cornelia Birchler über den Frauenfussball beim FC Einsiedeln

Beim FC Einsiedeln tut sich momentan einiges im Damenfussball. Zwar ist die erste Mannschaft abgestiegen. Andererseits spielt ab dieser Saison neu erstmals ein C-Juniorinnen-Team. Cornelia «Conny» Birchler, Damenobfrau beim FCE, gibt im Interview Einblicke über ihre Arbeit.

BENJAMIN BETTSCHART

Conny Birchler, Sie sind Damenobfrau beim FC Einsiedeln.Welche Verantwortung hat eine solche Funktion im Verein? Ich bin für alle Frauen und Mädchen, die in Einsiedeln Fussball spielen wollen, verantwortlich. Ich bestimme auch den Trainer für die Mannschaft und schaue, dass sich alle wohlfühlen. Ich muss auch dafür sorgen, dass die Spielerinnen spielberechtigt sind, dafür braucht es eine Bewilligung und einen Spielerpass. Dass das Kollektiv funktioniert, ist mir sehr wichtig. Falls die Spielerinnen ein Anliegen haben, können sie immer zu mir kommen – seien dies Probleme mit dem Trainer oder allgemeine Fragen. Ich bin somit der Draht zum Vorstand. Haben Sie selbst auch Fussball gespielt? Ja, 15 Jahre lang. Dabei durfte ich immer einen Trainer an meiner Seite haben, was ich sehr schätze. Mit meiner jetzigen Arbeit möchte ich nun dem Verein etwas zurückgeben, indem ich dafür sorge, dass die Mädchen und Frauen, welche aktuell beim FC Einsiedeln spielen, auch profitieren können. Wir sehen nun im Damenfussball des FC Einsiedeln eine aussergewöhnliche Entwicklung. Rund 50 Mädchen und Frauen kicken schon beim FCE, und es werden immer mehr. Ab dieser Saison gibt es erstmals eine C-Juniorinnenmannschaft. Wie sehen Sie diese Entwicklung und wie weit, denken Sie, wird der Damenfussball in Einsiedeln noch kommen? Ich hoffe natürlich immer, dass es zahlreiche Frauen und Mädchen gibt, die bei uns Fussball spielen wollen. Wenn das Alter von 30 erreicht ist, lässt diese Tendenz leider nach. Grund dafür ist normalerweise die Familienplanung, weil man halt nicht mehr viel Zeit für sein eigenes Hobby finden kann. Somit ist bei manchen das Karriereende relativ früh. Verwunderlich ist das ja eigentlich nicht. Die meisten Profis beenden ihre Karriere ja auch zwischen 30 und 35 Jahren.

( lacht) Natürlich. Aber das Angebot hier in Einsiedeln ist immens. Man kann viele Sportarten ausüben, darum ist es ab und zu auch für uns nicht sehr einfach, da wir im oberen Bereich ebenfalls nur über wenig Personal verfügen. Aber es freut mich sehr, dass wir nun viele junge motivierte Mädchen haben. Sie sprechen die Motivation an. Wie stark spüren Sie diese bei den Jüngeren? Bei den C-Juniorinnen ist die Motivation sehr gross. Die Mädchen zeigen sich total interessiert. Schon nach dem ersten Training wurde ich gefragt, wann das erste Pflichtspiel ansteht, obwohl sie ja eigentlich noch nicht wirklich wissen, wie alles funktioniert. Da merkt man auch, wie aufgeregt alle sind. Natürlich müssen wir ihnen auch alles von Grund auf beibringen. Was meinen Sie damit konkret?

Beispielsweise das Positionsspiel im Neunerfussball, da wir im C noch neun gegen neun spielen, auch Abstoss und Einwurf. Allgemein muss man halt den Spielerinnen alles beibringen– die Basics und die Regeln. In erster Linie müssen dann die Trainer dafür sorgen, dass dies gut funktioniert. Meine Aufgabe ist es, dafür eine geeignete Person zu finden.

Welche Einheiten werden bei Ihnen denn am meisten trainiert?

Eine schwierige Frage. Bei den B-Juniorinnen und den Frauen setzen wir in der Vorbereitungszeit viel auf Kraft und Kondition. Bei den C-Juniorinnen stehen diese Fähigkeiten aber noch nicht im Vordergrund. Da schauen wir eher, dass grundlegende Sachen wie das Passspiel oder die Ballbehandlung gut funktionieren. Während der Saison werden die Trainingseinheiten natürlich angepasst, dann üben wir vor allem das, was am Wochenende während dem Spiel nicht so gut geklappt hat. Das Wichtigste ist jedoch die Freude am Fussball. Falls diese genug präsent ist, läuft alles meistens von alleine. Dies spüre ich vor allem bei den B-Juniorinnen, die haben eine sehr gute Atmosphäre untereinander. Auch mit dem Trainer funktioniert alles sehr gut. So gewinnt man logischerweise auch eher Partien.

Die erste Damenmannschaft ist letzte Saison leider abgestiegen. Hat man sich nun den direkten Wiederaufstieg als Ziel gesetzt und gibt es dafür eventuell Verstärkung im Kader? In der ersten Mannschaft gibt es für diese Saison wohl kaum neue Gesichter, das Kader wurde sogar ein bisschen knapper. Aber trotzdem bleibt es unser Ziel, Spiele zu gewinnen. Wir werden uns auf jedes einzelne Spiel konzentrieren. Ich habe heute übrigens noch Sitzung mit der Mannschaft ( lacht). Was werden Sie Ihrer Mannschaft da mitteilen?

Ich werde nicht strikt sagen, dass der Wiederaufstieg das einzige Ziel sei. Aber es wäre sicher vorteilhaft, da wir nächstes Jahr viele B-Juniorinnen bekommen werden und somit auch wieder ein gefestigteres Team haben. Momentan müssen wir aber mit wenig Auswahl auskommen. Dazu kommen noch beispielsweise Verletzungen oder längere Aufenthalte im Ausland. Das Thema wird uns diese Saison verfolgen, aber damit müssen wir leben. Wie gut kennen Sie als Damenobfrau des FC Einsiedeln Ihre Spielerinnen persönlich und auch spielerisch? Ich kenne sie schon ziemlich gut. Am besten kenne ich die Trainer, welche mir auch oft Informationen über die Spielerinnen weitergeben, und wir so auch viel ins Gespräch kommen. Was die Stärken und Schwächen der Spielerinnen angeht: Dies sehe ich auf dem Spielfeld und erkenne die spielerischen Fähigkeiten schnell. Auch in der Gruppe führe ich oft Gespräche mit der Mannschaft, damit ich sie auch so besser kennenlernen und mit ihnen besser zusammenarbeiten kann. Natürlich gibt es aber auch vereinzelt Personen, die ich bereits schon gut kenne, da ich mit ihnen mal zusammen Fussball gespielt habe.

Für mich als Schiedsrichter ist es angenehmer, ein Frauenspiel zu leiten. Ich kann oft von einem fairen Spiel ausgehen. Ist da die Mentalität gegenüber dem Schiedsrichter und dessen Entscheidungen entspannter? Natürlich können auch Frauen aggressiv auf dem Platz sein. Aber man hadert eher mit sich selbst statt mit dem Schiedsrichter. Ich kann mir auch vorstellen, dass wir das Ganze ein wenig harmloser sehen im Sinne von «schlussendlich ist es nur ein Spiel». Relevant für uns ist sicher, dass die Partie fair ablaufen kann, und falls der Schiedsrichter die Partie insgesamt gut leiten konnte, gibt es da auch nicht viel zu lamentieren. Für mich ist der Schiedsrichter dann gut, wenn man ihn gar nicht richtig bemerkt hat. Wenn man unauffällig bleibt, ist dies meistens das Zeichen, dass man das Spiel auch unter Kontrolle hat. Jedoch spürt man trotzdem den gewissen Hunger auf den Sieg? Auf jeden Fall. Wenn man aber sauer wird, ist dies, wie gesagt, meist auf sich selbst bezogen. Wenn man sich auf sich und das Spiel fokussiert, spielt man im Normalfall auch besser. Wo bräuchten Sie noch Unterstützung bei den FCE-Damen? Im oberen Kader können wir jede Unterstützung gebrauchen. Mädchen und Frauen können jederzeit ungeniert auf uns zukommen und sich für ein Probetraining bewerben.

Apropos Unterstützung: Sind Sie mit der Zuschauerzahl an den Spielen zufrieden? Im Grossen und Ganzen, ja. Es könnten schon noch ein bisschen mehr sein, das wäre schön. Aber schlussendlich kommt es auch immer auf den Tag des Spiels an, manchmal finden viele Zuschauer keine Zeit, und manchmal sind die Tribünen sehr gut besetzt, vor allem wenn auch andere Mannschaften vorher oder nachher spielen. Wir bemühen uns dann, dass dem Publikum auch etwas geboten werden kann ( lächelt). Das ist eine gute Einstellung. Ich bedanke mich herzlich für das Gespräch und wünsche Ihnen eine erfolgreiche Saison.

Vielen Dank!

Die neue C-Juniorinnen-Mannschaft beim Training im Rappenmöösli-Stadion. Foto: Hansjürg Kälin

Conny Birchler mit ihrer Tochter Layla. Foto: Benjamin Bettschart

Share
LATEST NEWS