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«Du musst den Hund lesen können»

«Du musst den Hund lesen können» «Du musst den Hund lesen können»
Der vierjährige Bracko ist ein erfolgreicher Schweisshund, wenn es um die Nachsuche von Wildtieren geht Auch wenn er ein reinrassiger, wunderschöner,

Der vierjährige Bracko ist ein erfolgreicher Schweisshund, wenn es um die Nachsuche von Wildtieren geht

Auch wenn er ein reinrassiger, wunderschöner, stattlicher, energiegeladener und ausgebildeter Schweiss- und Jagdhund der Rasse Brandlbracke ist, so ist Bracko doch auch ein verspielter Hund, der am liebsten immer alle Familienmitglieder seines Meisters Martin Schuler aus Rothenthurm um sich hat.

MARLIES MATHIS

«Balu aus der Breitenau» lautet der offizielle Name des aus Österreich stammenden vierjährigen Bracko des Hundehalters Martin Schuler. Die Hunderasse Brandlbracke ist geradezu für die Jagd gemacht, führt der 45-jährige Rothenthurmer aus. Diese Spürhunderasse aus dem Ursprungsland Österreich, deren Züchter dort, in Deutschland und der Schweiz in Brackenvereinen organisiert sind, wird denn auch nur an offizielle Jäger abgegeben und wie in Schulers Fall am liebsten an Familien. Der Hund braucht ebenso die intensive Bindung zu den Menschen in seinem Umfeld. Diese innige Beziehung ist offensichtlich zu spüren, begrüsst Bracko doch die Kinder genauso wie die Frau seines Meisters mit Schwanzwedeln und ausgelassener Freude, auch wenn diese nur für kurze Zeit weg waren.

Eines der vorteilhaften Merkmale der Brandlbracke ist, dass sie ein idealer Gebrauchshund vor und nach dem Schuss ist, obwohl gerade der Rüde Bracko auf Befehl seines Halters auch als gewöhnlicher Jagdhund eingesetzt werden kann. Er beweist eine ausgezeichnete Wildschärfe, was konkret besagt, dass er die Fährte eines Wildes mit seiner feinen Nase instinktiv und schnell aufnehmen und verfolgen kann. Besonders wenn ein Wildtier verletzt ist, sei es durch einen Unfall oder weil es nach dem Schuss nicht gerade tot umfällt und noch flüchtet, ist ein guter Schweisshund das Wichtigste, um das verwundete Tier aufzuspüren und zu erlösen oder natürlich auch das tote zu finden. In dieser Hinsicht fehlen den Leuten oft die Zusammenhänge in der Natur, ergänzt der Jäger aus Rothenthurm.

Hohe Anforderungen Bei der Zucht, die streng geregelt ist, wird darauf geschaut, dass die dazu nötigen Eigenschaften, die das Tier schon in sich trägt, bereits im Welpenalter ausgebildet und verstärkt werden. So sind denn auch die Anforderungen an eine Brandlbracke sehr hoch, will man mit ihr nachher auf die Jagd gehen, respektive sie als Schweisshund einsetzen. Mit einer anspruchsvollen Prüfung, die zuvor vielseitiges und intensives Training mit dem Jäger voraussetzt, wird ihre Ausbildung abgeschlossen. Erreicht sie alle verlangten Punkte und erfüllt sie die strengen Auflagen bezüglich der körperlichen Voraussetzungen, darf sie nachher auch für die Zucht eingesetzt werden.

Dazu gehört der sogenannte Formwert vom Aussehen her, wie eine ideale Grösse, die rassentypische dunkle Farbe, aber auch eine korrekte Zahnstellung. Vom Hund wird aber ebenso Gehorsam verlangt, er muss schussfest sein, das heisst, er darf nicht erschrecken, wenn ein Jäger schiesst, und er muss selber einen Hasen oder einen Fuchs finden und ihn während mindestens zehn Minuten jagen. Die grösste Herausforderung ist allerdings die Schweissprüfung, bei der es gilt, an der rund zwölf Meter langen Leine über 1000 Meter eine am Tag zuvor gelegte Fährte zu verfolgen und das Tier dem Meister anzuzeigen. Dabei dienen dem Schweisshund einerseits sein extrem gut ausgebildetes Geruchsorgan und das antrainierte Verfolgen von Trittsiegeln, respektive von dadurch entstandenen Bodenverletzungen. Diese Merkmale, verbunden mit dem Geschmack und dem ausgeschütteten Adrenalin des Wildtieres ergeben eine Art Duftglocke entlang der Fährte, in der dann der Hund meist mit Erfolg seine «Beute» sucht und findet. Ein kluger, lernwilliger Hund

Dass Bracko, um nebst seiner Hauptaufgabe als Schweisshund auch als Deckrüde eingesetzt zu werden, all diese Vorgaben schon in relativ kurzer Zeit erfüllt hat, erzählt der Forstunternehmer Martin Schuler nicht ohne Stolz. Allerdings kommt das Erreichen dieses Ziels nicht von ungefähr. Dahinter stecken ein enormer Aufwand, unzählige Übungsstunden, und eine unglaubliche Geduld und Ausdauer seitens des Halters, aber auch von klein auf immer gleiche Abläufe und eine strikte Konsequenz in der immer noch andauernden Erziehung, die Bracko einen eigentlichen Rhythmus geben.

So geht es für den ausgebildeten Förster bereits kurz nach fünf Uhr morgens für eine Viertelstunde mit dem kraftvollen Tier hinaus, während seine Frau Helen im Verlauf des Morgens eine längere Runde mit dem Energiebündel dreht. Am Abend ist es dann wieder Martin, der ein bis eineinhalb Stunden mit Bracko draussen ist. Da wird in erster Linie gezielt gearbeitet, und es werden die Vorlieben und Voraussetzungen des Hundes voll ausgereizt. Ausserdem ist er dann viel ausgeglichener und ruhig, wenn sie wieder zurückkehren.

Brackos grosser natürlicher Jagdtrieb und seine Freude an der Bewegung kommen in abwechslungsreichen und intensiven Übungen voll zum Greifen, und sein Besitzer bringt ihm viele Tricks bei, die ihm die Erfüllung seiner Tätigkeiten erleichtern. Dabei kommt auch die Belohnung in Form von «Le parfait », das der Jagdhund über alles liebt, zum Zug. «Mit dem Fressen kannst du ihn abholen! », lacht Martin Schuler und ergänzt: «Der Hund vergisst nie, was er erlebt hat, das können positive oder negative Erfahrungen sein. Er kann dich aber auch übertölpeln, wenn du es nicht grad merkst, er ist so clever!» Ausserdem habe er schon hin und wieder einmal einen Sturkopf. «Wenn er nicht will, dann will er nicht.» Im Normalfall aber würden sie beide am selben Strick ziehen und seien sie ein eingespieltes Paar, und es bedeute ihnen viel, wenn sie gemeinsam eine erfolgreiche Nachsuche absolviert hätten, das spüre er auch dem Hund an. Da könne Bracko, den er respektvoll und mit viel Liebe als lernbereit, dominant und etwas eigenwillig bezeichnet, seine Vorzüge und seinen enormen Willen voll ausspielen. Und fügt im gleichen Atemzug an, dass die Jagdhunde, die übrigens alle markiert sind, über einen ausgezeichneten Orientierungssinn verfügen würden, so dass sie den Heimweg jederzeit finden, egal wie weit weg sie seien, und man sie deshalb bitte nie aufladen sollte.

Ausserdem hat auch bei den Jägern die Moderne Einzug gehalten, und mittels «Tracker», einem GPS-Ortungsgerät, können sie jederzeit mitverfolgen, wo ihr Hund ist, wenn er am Halsband mit dem Sender ausgerüstet ist.

Sie sind ein eingespieltes Paar, der Rothenthurmer Martin Schuler mit seinem cleveren und prächtigen Schweiss- und Jagdhund Bracko.

Fotos: Marlies Mathis

Bracko war auf der natürlichen Nachsuche erfolgreich und hat den toten Rehbock gefunden. Foto: Martin Schuler

Bracko gehört zur Rasse der Brandlbracke und hat damit laut seines Halters schon die besten Voraussetzungen für einen idealen Gebrauchshund vor und nach dem Schuss.

Von seinem Platz aus verfolgt der vierjährige Bracko mit seiner rassentypischen dunklen Farbe immer sehr aufmerksam, was in der Familie seines Meisters läuft.

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